Wien. (kats) Je kleiner die Gemeinde, desto weniger ausgebaut die Kinderbetreuung. Das ist das Ergebnis einer Sonderauswertung der Kindertagesheimstatistik durch die Arbeiterkammer. So ist die Betreuungsquote bei den Null- bis Zweijährigen in sehr großen Gemeinden beinahe viermal so hoch wie in kleinen. Auch die Öffnungszeiten der Kindergärten sind in kleinen Gemeinden schlechter mit Erwerbstätigkeit vereinbar. Sybille Pirklbauer, AK-Expertin für die Bereiche Frauen und Familie, sprach in einem Pressegespräch am Mittwoch von einem "akuten Aufholbedarf in kleineren Gemeinden".

Eine Lösungsmöglichkeit sieht die AK in den EU-Fördermitteln, die ab 2014 für sieben Jahre neu vergeben werden. Laut einer von der Kammer in Auftrag gegebenen Studie des Zentrums für Verwaltungsforschung könnten sowohl Gelder aus dem Fonds für regionale Entwicklung (Efre) als auch aus dem Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (Eler) für den Sozialbereich eingesetzt werden. Die Kammer fordert, 5 Prozent der Efre- und 25 Prozent der Eler-Mittel (eine Milliarde Euro für sieben Jahre) umzuschichten. Pro 100 Millionen Euro, die für Kinderbetreuungsplätze ausgegeben werden, entstehen laut AK 30.000 Arbeitsplätze.

Jakob Auer, Chef des ÖVP-Bauernbunds spricht von einer Neiddebatte. Die Bauern wären die Hauptleidtragenden einer Umschichtung der EU-Fördermittel. Auer meint, dass die Eler-Mittel ohnehin zu 88 Prozent für "gesellschaftlich erwünschte" Projekte wie Umwelt, Klima und Infrastruktur ausgegeben würden.