Wien. Die Familie sitzt zu Ostern beim Essen und irgendwann kommt das Gespräch auf die öffentlichen Schulden. "Ein Wahnsinn", raunzen die Erwachsenen, "es wird immer mehr und mehr." Jeder wüsste natürlich, wie es ohne ginge, wo man sparen und optimieren könnte. Bis plötzlich eines der Kinder die nur vermeintlich naive Frage aufwirft: "Bei wem hat denn Österreich eigentlich die Schulden?" - Betretenes Schweigen bei den Erwachsenen. Die "Wiener Zeitung" nimmt diese so oder so ähnlich passierte Anekdote zum Anlass, sich die Gläubiger Österreichs einmal genauer anzusehen.

227,431 Milliarden Euro betrugen die Staatsschulden Österreichs am Ende des vergangenen Jahres. Das entspricht 73,4 Prozent des Bruttoinlandprodukts - 1,2 Prozentpunkte besser als geplant, aber immer noch eine ganze Menge. 200 Millionen mehr als 1980, rund 30.000 Euro pro Kopf. Aber bei wem hat Österreich eigentlich diese Schulden?

Geht man von der gesamtstaatlichen Verschuldung aus, also den Schulden von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungsträgern, entfielen im Jahr 2011 (für 2012 liegen die Zahlen noch nicht vor) laut Nationalbank 74,8 der Schulden auf das Ausland, 25,2 Prozent auf das Inland. Bis zum Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise hatte sich die Auslandsverschuldung laufend erhöht. Lag der Auslandsanteil 1999 noch bei 48 Prozent, waren es 2008 schon 80 Prozent. Seither nimmt allerdings die Inlandsverschuldung wieder zu.

Ein wesentlicher Grund dafür ist laut dem Jahresbericht des Staatsschuldenausschusses die "gestiegenen Darlehensgewährungen inländischer Banken an Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen". Dadurch hält der österreichische Bankensektor mittlerweile rund 14 Prozent der Staatsschulden. 2008 waren es nur 9 Prozent.

Unter den inländischen Gläubigern der Republik sind die Banken aufgrund der gestiegenen Kreditvergabe dominierend. 54 Prozent der Inlandsschulden entfallen auf den Bankensektor. Jeweils rund 13 Prozent entfallen auf heimische Investmentfonds oder sonstige Finanzinstitute wie Versicherungen, Pensionskassen oder die Nationalbank). Damit hält der österreichische Finanzsektor 80 Prozent der Inlandsschulden beziehungsweise 20 Prozent der Gesamtschulden.

Private Unternehmungen halten 17,1 Prozent der Inlandsschulden. Das beinhaltet vor allem Finanzierungsverpflichtungen des Bundes, die sich aus Infrastrukturinvestitionen der ÖBB ergeben, oder der Länder für die Finanzierung von öffentlichen Krankenanstalten.