Wien. Noch darf niemand das Gebäude ohne fachkundige Begleitung betreten. Doch das von der israelischen Stararchitektin Zaha Hadid entworfene "Library and Learning Center" am neuen Campus der Wirtschaftsuniversität im Prater nimmt rasend schnell Formen an. Mitten auf der Baustelle haben am Dienstag WU-Rektor Christoph Badelt und OMV-Generaldirektor Gerhard
Roiss symbolträchtig eine neue Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft vorgestellt.

Konkret wird die OMV die Bibliothek sponsern, die denn auch "OMV Bibliothekszentrum" heißen wird. Ebenso finanziert der Energieriese die Einrichtung eines neuen Instituts "Social Entrepreneurship, Sustainability and Performance Management" - inklusive eines neuen Stiftungslehrstuhls für "Business Performance Management and Sustainability". Die Kooperation wird zunächst einmal für fünf Jahre abgeschlossen. Tiefer in die Karten blicken ließ man sich nicht: Die OMV leiste viel im Bereich der Nachhaltigkeit, sagte Roiss, aber wie viel dafür budgetiert sei, "kommunizieren wir nicht". Auch Badelt wollte sich zum Ausmaß der Förderung nicht äußern, auf Nachfrage meinte er, es gebe auch Kooperationen mit anderen Unternehmen (zum Beispiel im Bereich der Hörsaal-Finanzierung), aber jene mit der OMV sei bei weitem die umfangreichste.

Forschung zu Nachhaltigkeit

Roiss begründete das Engagement des Ölkonzerns damit, dass man "neue Dinge, die es noch nicht gibt, entwickeln" wolle. Ziel sei ein Austausch zwischen Forschung und Praxis im Zusammenhang mit ökonomischer, ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit. Für Badelt geht es um die "intensive Verankerung der WU in der Wirtschaft". Der Rektor hält derlei Kooperationen für sinnvoll. Allerdings müssten die Grundstudien weiterhin von der öffentlichen Hand finanziert werden. Dass die Unis mehr auf private Gelder setzen, würde er sich nicht wünschen, sagte Badelt. Denn dann komme schnell der Verdacht auf, dass sich Unternehmen zum Beispiel Forschungsergebnisse kaufen wollten.

Wirtschaft zögerlich

Doch davon sind Österreichs Unis ohnehin weit entfernt: Im Sommer 2011 monierte der Weisenrat zum Hochschulplan, dass sich die österreichische Wirtschaft im internationalen Vergleich nur sehr zögerlich an den Unis beteilige -und zwar mit 110 Millionen Euro im Jahr 2009. Um die Hochschulen zu mehr Engagement zu bewegen, schlug der Weisenrat sogenannte Matching Funds vor - ein Anreizsystem der öffentlichen Hand, mit dem von den Unis angeworbene Mittel aufgestockt werden. Immerhin: Der mit neun Millionen kleinste Teil der "Hochschulmilliarde" wurde für diesen Zweck budgetiert. 2011 haben die österreichischen Unis gemeinsam 544 Millionen Euro selbst akquiriert - jedoch nicht nur aus der Wirtschaft, sondern auch aus dem Forschungsförderungsfonds FWF und aus EU-Töpfen.