Obwohl der Maiaufmarsch nur für die Linke Tradition ist, nutzten auch andere Parteien den Tag der Arbeitfür politische Versammlungen.

Die ÖVP nutzte stellte dabei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Mittelpunkt. Es gehe am 1. Mai nicht darum, dass nur marschiert oder "Arbeit" plakatiert werde, sondern darum, Arbeit zu ermöglichen, meinte Spindelegger in Richtung SPÖ und deren aktueller Kampagne. Für Familien wolle man "Wahlfreiheit", bekräftigte er bei einer Pressekonferenz im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien. Im nächsten Regierungsprogramm sollen flexiblere Angebote auf Betriebsebene wie etwa "Flexikonten" oder Zeitwertkonten einen Schwerpunkt bilden, erklärte Familien- und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), ebenso wie die Qualität von Kinderbetreuung.

Auch ein "Schlechtreden" der Teilzeit lehnt man ab. ÖAAB-Obfrau Johanna Mikl-Leitner zeigte sich überzeugt davon, dass die Teilzeit-Tendenz steigend sei, weil die Arbeitnehmer Zeit für Familie oder Weiterbildung haben wollen. Am Tag der Arbeit drückte die ÖAAB-Obfrau ihre Wertschätzung gegenüber Personen aus, die an Sonn- und Feiertagen arbeiten. Arbeit am Sonntag solle aber eine "Ausnahme" bleiben, meinte sie in Hinblick auf die jüngste Debatte über Sonntagsöffnung.

Das sieht der Shopping-Center-Betreiber Richard Lugner bekanntlich anders, und ihn holte sich das BZÖ, um wie schon im Vorjahr am 1. Mai für ausgeweitete Ladenöffnungszeiten zu plädieren.

Die Grünen machten am Tag der Arbeit auf all jene aufmerksam, die trotz Erwerbstätigkeit von Armut bedroht sind ("working poor"). Parteichefin Eva Glawischnig forderte bei einer Pressekonferenz einen gesetzlichen Mindestlohn von 1.450 Euro für Unselbstständige sowie für Selbstständige eine Senkung der Sozialversicherungsbeiträge.

Traditionell mit einem "Europabierstadl" am Linzer Urfahraner Markt beging die FPÖ ihren 1. Mai. Parteichef Heinz-Christian Strache versicherte seinen Anhängern ein weiteres Mal, dass die Durststrecke - gemeint waren damit die drei Flops bei Landtagswahlen - beendet sei. Mitte Mai will er die Intensivkampagne starten, die offenbar im Themenfundus der SPÖ Anleihe nimmt - "Dann wird's gerecht" war einer der vielen Slogans, die seinen Auftritt zierten. Schon kommenden Sonntag erhofft er sich Aufwind für die Freiheitlichen bei der Salzburg-Wahl.

Frank Stronach lud zum 1. Mai zu einem Fest im Prater und sagte Bekanntes: Die Arbeiter hätten seiner Meinung nach ein moralisches Recht auf einen Teil des Profits, betonte er. Kritik übte er an den anderen Parteien, speziell an SPÖ und ÖVP. "Österreich hat große Probleme", "unglücklicherweise" bestehe die Regierung aus Politikern. Man müsse die Verwaltung reduzieren, den "Sumpf der Korruption trockenlegen" und das Steuersystem vereinfachen, forderte Stronach. "Danke fürs Kommen und ich hol' mir jetzt ein Bier", lud Stronach nach seiner Rede die Gäste noch zum Weiterfeiern ein.