Jeder kann an diesen Gesprächen teilnehmen, der bereit ist, zwischen 25 bis 50 Euro für ein dreigängiges Menü zu investieren, um die Lebenswelt eines Fremden in moderierter Atmosphäre zu erfassen. Das Konzept der Gespräche geht zurück auf eine Idee des britischen Historikers Theodore Zeldin, der das Format 2001 begründet hatte. Heute werden die Gespräche zwischen Touristen und Einheimischen geführt, bei Wirtschaftsgipfel, in Ministerien und in Gefängnissen veranstaltet. Das Ziel: erstarrte Standpunkte aufzuweichen.

Dass die Gespräche mitunter ungemütlich werden können, liegt in der Natur der Sache. Es geschehe viel zu selten, bemängelt Mitorganisator Eugene Quinn. Der gebürtige Londoner lebt seit vier Jahren in Wien. 2004 hat der Radioproduzent die eigenwilligen Tischgespräche das erste Mal in London initiiert. "Wir wollen, dass die Leute politisch inkorrekt sind. Es tötet jede gute Debatte, wenn die Menschen zu respektvoll sind und auf Zehenspitzen umeinander herumschleichen", sagt Quinn, "wenn Leute solche Dinge denken, sollten sie sie auch aussprechen." Schließlich würden sie das auch in ihrem Freundeskreis tun, warum also dann nicht öffentlich. "Die Leute sind viel zu sensibel, weil sie befürchten, dass sie jemanden beleidigen könnten", meint er.

Vor einem Jahr wurden die "Vienna Coffeehouse Conversations" erstmals von Kalcsics und Quinn und ihrer Kulturinitiative "space and place" in Wien veranstaltet. Damals hießen sie noch "Tischgespräche" und fanden in dem Meidlinger Gasthaus Goldmarie und im Wien Museum am Karlsplatz statt. Integration stand damals im Vordergrund. Gruppen aus allen Schichten wollte man sprichwörtlich an einen Tisch zusammenbringen.

"Es war viel selbstverständlicher für die gebildete Ö1-Hörerschaft und ,Falter‘-Leserschaft zu kommen. Es war schwierig, die jungen Mädls aus der türkischen Community oder die Migranten aus der Sahel-Zone herzubekommen", erzählt Kalcsics, "es war viel Arbeit, sie zu überzeugen, sich nicht zu fürchten." Im Herbst versuchen sie dieses Projekt am Tag des Respekts im Wiener Museumsquartier wieder kostenlos anzubieten, parallel zu den "Vienna Coffeehouse Conversations", die auf Englisch jeden Monat stattfinden.