Wien. Der Chef der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Fuat Sanac, fordert den grünen Bundesrat Efgani Dönmez zum Rücktritt auf. Dönmez, der so wie Sanac in der Türkei aufgewachsen ist, hatte die Abschiebung von Demonstranten gefordert, die am Sonntag in Wien-Favoriten für den türkischen Premierminister Erdogan demonstrieren wollen. Damit würden sie seiner Ansicht nach Erdogans Gewalt gegen die Demonstranten in der Türkei unterstützen.

"Dönmez’ Aussagen sind feindselig, giftig und gefährlich. Er muss zurücktreten. So einen Politiker brauchen wir in Österreich nicht", sagt Sanac im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Wenn er an die Macht kommt, was macht er dann?"

Die angekündigten Demonstrationen in Wien verteidigt der oberste Vertreter des Islam in Österreich. "Das ist ihr Recht." Das gewaltsame Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten in der Türkei unterstütze er aber nicht. "Wir sind gegen Gewalt." Zur Türkei möchte er sich nicht äußern. "Es ist nicht unsere Aufgabe, die politischen Ereignisse in einem anderen Staat zu kommentieren."

Dönmez hält an Kritik fest

Dönmez bleibt bei seinen kritischen Äußerungen. Zwar habe er "überspitzt" formuliert. Aber alle, die in Österreich eine islamische Lebensform einführen wollten, "sollten das in ihrem Herkunftsland machen", sagte er. Dönmez warnte vor einem "verlängerten Arm" der türkischen Regierung in Österreich in Form von Kulturvereinen.

Dönmez bezeichnet sich als "gläubigen Moslem", gehört aber nicht der sunnitischen Mehrheit an. Er ist Alevit. Die Aleviten machen rund 30 Prozent der heimischen Moslems aus. Sie sind nicht durch Sanac vertreten, sondern haben ihre eigene, seit Mai anerkannte Alevitische Glaubensgemeinschaft. "Wir unterstützen Dönmez und freuen uns, wenn er weiter kämpft. Er hat seine Kritik zur richtigen Zeit geäußert", sagt Riza Sari, der Pressesprecher der Aleviten. "Man stelle sich vor, man würde in Österreich so brutal von der Polizei behandelt. Es ist doch ein Wahnsinn, so etwas zu verteidigen", sagt er in Richtung der Demonstranten.

Sari kritisiert radikale Prediger aus der Türkei, die in versteckten Moscheen nicht die österreichischen Werte, sondern die Werte der Türkei und Erdogans propagieren würden. Die Politik müsse sich trotz der herrschenden Religionsfreiheit mehr für die Vereine interessieren und beobachten, was dort passiere, denn radikale Tendenzen gebe es "definitiv". Außerdem fordert er eine "öffentliche Diskussion der Glaubensgemeinschaften und der Politik über den österreichischen Islam und seine Grundwerte. "Warum gibt die Türkei die Richtung vor? Warum werden die Probleme in der Türkei nach Österreich getragen?"