Wien. (wh) Menschen mit Behinderung, die in eine Notsituation geraten, können demnächst mit einer massiven Erleichterung rechnen. Ein am Mittwoch einstimmig beschlossener Entschließungsantrag des Nationalrats sieht die Errichtung eines barrierefreien Notrufs vor; bis dato existiert - im Unterschied zu etlichen anderen Ländern wie der Schweiz oder den USA - für gehörlose, hör- oder sprechbehinderte sowie taubblinde Menschen kein barrierefreier Zugang zum Euro-Notruf 112 (für Taubblinde ist dies schon jetzt gewährleistet).

Rund um die Uhr barrierefrei via Handy erreichbar


Gebärdensprachdolmetscher und Kommunikationshelfer sollen dann die Notrufe entgegennehmen, die über Video in Gebärdensprache per Bildtelefon oder als schriftliche Nachricht wie SMS, und diese direkt an die Einsatzstelle weiterleiten. Der Notruf selbst soll über ein zusätzliches Signal oder einen Code am Handy des Betroffenen abgesetzt werden. Diese barrierefreie Telefonvermittlung wird rund um die Uhr erreichbar sein, erklärt Berichterstatterin Gabriele Moser von den Grünen. Motor hinter der Initiative waren die Behindertensprecher von Grünen und ÖVP, Helene Jarmer und Franz-Josef Huainigg. Jarmer, selbst gehörlos, konnte an der Debatte nicht teilnehmen, weil ein Brand ihre Wohnung beschädigte. Ein barrierefreier Notruf hätte zu einer schnelleren Verständigung der Feuerwehr geführt.

Moser erwartet nun, dass die Regierung den Antrag schnellstmöglich in Gesetzesform gießt - die zuständige Ministerin Doris Bures hat dies zugesagt, auch wenn es Angelegenheit der nächsten Koalition sein wird. Termin für das Inkrafttreten könnte somit der 1. Jänner 2014 sein. Die Kosten werden auf unter 100.000 Euro geschätzt.

Insgesamt sollen rund 100.000 Behinderte profitieren, nicht mitgerechnet jene älteren Personen, deren Hör- und Sprachvermögen beeinträchtigt ist.