Wien. (sir) Wenn man einen Altphilologen zum Minister macht, darf man sich eben nicht wundern. Die griechische und römische Mythologie ist ja eine einzige Enzyklopädie der List und Tücke, deren Studium sich auch für Politiker überaus bezahlt machen kann. Gerade so, als hätte er seinen Regierungskollegen auch beweisen wollen, welch hohen Wert Bildung darstellt, bediente sich Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle eines raffinierten Manövers, um einen seiner Dauerwünsche, nämlich mehr Geld für die Unis, erfüllt zu bekommen.

Noch ist nichts beschlossen, aber angenehme Alternativen hat er den Regierungsmitgliedern, allen voran Finanzministerin Maria Fekter, nicht gelassen: entweder mehr Geld für alle Universitäten oder keine medizinische Fakultät in Linz. Dazu muss man wissen: In den vergangenen Wochen, der dynamischen Vorwahlzeit, ist ein Minister, eine Ministerin nach dem anderen dem Charme einer Medizin-Uni im drittgrößten Bundesland Österreichs erlegen.

Die (oberösterreichische) Finanzministerin hat sich ebenso für den Standort Linz starkgemacht wie Gesundheitsminister Alois Stöger und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, die ebenfalls aus Oberösterreich kommen. Auch Bundeskanzler Werner Faymann hat für den zusätzlichen Standort gestimmt.

Ein Zurück gibt’s nicht

Karlheinz Töchterle hat sich hingegen auffällig zurückgehalten, sich eher zaudernd, bisweilen sogar skeptisch geäußert, um auf der Zielgeraden zum listigen Manöver anzusetzen. Das Ja der Hochschulkonferenz hat Töchterle, einst Rektor der Universität Innsbruck, mit dem Junktim versehen, dass künftig für alle Universitäten mehr Geld zur Verfügung gestellt werden muss.

Fast ein wenig schelmisch bezeichnete Töchterle im Ö1-"Morgenjournal" seinen Clou als "geschickt". Es sei "eine sehr elegante Form, aus einer massiven Forderung, die von Oberösterreich kommt, eine Situation zu schaffen, die dem gesamten tertiären Sektor zugutekommt".

Für Finanzministerin Maria Fekter, die sich schon Anfang des Jahres für den neuen Standort in Linz festgelegt hat, ist Töchterles Junktim eine Art Trojanisches Pferd: Auf den ersten Blick ein "Ja", aber eben gefüllt mit einem kostspieligen "Aber".

Wie viel die Regierung für das Einlösen ihrer eigenen Forderung, in Linz eine medizinische Fakultät einzurichten, lockermachen muss, kann nur geschätzt werden. Töchterle wollte keine Zahl nennen, er sagte nur: "Irgendwo zwischen den Wünschen und den Bedürfnissen wird der Betrag liegen. Wofür soll denn Geld flüssiggemacht werden, wenn nicht für Universitäten und Forschung?"

Fekter erfreut

Fekter ließ die "Wiener Zeitung" wissen, dass sie das Votum begrüße, auch im kommenden Budget werde der tertiäre Sektor einen Schwerpunkt bekommen. Vor eineinhalb Jahren hatte die Regierung zusätzlich eine Milliarde Euro für die Unis beschlossen, diese Gelder sind allerdings bereits verplant.