Wien. "Wenn wir gehen und dadurch unser Körper in Bewegung kommt, kommt auch unser Denken in Bewegung", schrieb der österreichische Autor Thomas Bernhard. Der Vorschlag von Bundeskanzler Werner Faymann, der ausgerechnet bei einer Wanderung angekündigt hat, die tägliche Turnstunde solle ab Herbst 2014 kommen, dürfte jedoch noch nicht ganz durchdacht sein, wie einige Fragen veranschaulichen:

Sollen auf Kosten des Turnens andere Fächer gestrichen werden?

Faymann sagte, dies sei Inhalt der Verhandlungen der Arbeitsgruppe zum Thema. Aus dem Bildungsministerium heißt es, es soll im Rahmen der möglichen Spielräume pro Fach "umverteilt" werden. Wo gestrichen wird, soll jeweils die Schule entscheiden.

Wie viel kostet die tägliche Turnstunde?
Laut Ministerium nichts. In dem ersten Ausbauschritt soll nur an Pflichtschulen wie Volksschulen, Hauptschulen oder Neuen Mittelschulen täglich geturnt werden, weshalb es weder zusätzliche Turnsäle noch mehr Lehrpersonal brauche - "unvorstellbar", sagt die Lehrergewerkschaft.

Wie sieht es mit den Kapazitäten an den Schulen tatsächlich aus?

"Die tägliche Turnstunde wäre nur umsetzbar, wenn zwei bis drei Klassen gleichzeitig turnen. Würden alle Klassen täglich turnen, wäre der Turnsaal von 8 bis 18 Uhr besetzt", sagt eine Wiener Volksschuldirektorin, die namentlich nicht genannt werden will - nachmittags weicht bereits die Hauptschule auf ihren Turnsaal aus, am späten Nachmittag sporteln dann Vereine hier.

Hat nicht Verteidigungsminister Klug vorgeschlagen, die Vereine sollen den Schulen Hallen und Plätze zur Verfügung stellen?

Ja, aber derzeit ist es eben oft umgekehrt. Ab Herbst sollen Vereine und Schulen stärker kooperieren; Klug hat angekündigt, Personal wie Bewegungscoaches zur Verfügung zu stellen.

Und dann wird täglich geturnt?

Die Stunden können auch geblockt werden, tatsächlich sprechen wir also gar nicht von der "täglichen Turnstunde".

Wie ist die Debatte entstanden?

Österreich hat bei den Olympischen Spielen keine Medaille ausgefasst - für Lehrergewerkschafter Paul Kimberger "ein äußerst skurriler Anlass".

Unterstützt die Gewerkschaft den Ausbau des Turnunterrichts?

Ja, aber sie fordert ein Konzept und kritisiert, dass sie bisher nicht einbezogen wurde. Kimberger: "Um die Gesundheit der Kinder ist es so schlecht bestellt, dass eine Bombe auf uns zukommt."