Wien. Jugendliche, die am Ende der Schulpflicht Lesen, Schreiben und Rechnen nicht ausreichend beherrschen, sollen so lange weiter unterrichtet werden, bis sie Mindeststandards erreicht haben. Eine solche Bildungspflicht bis 18 Jahre soll die neunjährige Schulpflicht ablösen, wird im Integrationsbericht vorgeschlagen, der heute, Dienstag, präsentiert wird.

ÖVP-Obmann Michael Spindelegger kann sich vorstellen, eine solche Bildungspflicht im nächsten Regierungsprogramm festzulegen. Im Unterrichtsministerium begrüßt man den Vorschlag, sagt aber, dass dieser nichts Neues sei: Im April habe es einen Allparteienbeschluss zur Aufwertung der Polytechnischen Schule gegeben. Darin ist vorgesehen, dass die Polytechnische Schule auch zwei Jahre dauern kann, um lernschwächeren Schülern die Chance zu einem Abschluss zu geben. Entsprechende Schulversuche sollen im Herbst starten. Man solle die Ergebnisse der Versuche abwarten und dann evaluieren, ob weitere Maßnahmen nötig seien, heißt es im Unterrichtsministerium. Ansonsten müsse man sich darüber Gedanken machen, wo eine solche Ausbildung stattfinde und wer sie finanziere, ob sie etwa Teil einer Lehrausbildung sein soll.

Grünen-Bildungssprecher Harald Walser lehnt eine Bildungspflicht bis 18 ab. Wer nach neun Jahren nicht sinnerfassend lesen und schreiben könne, werde es durch eine zwangsweise verlängerte Beschulung wohl auch nicht schaffen.