Wien. Kein Bahnhof und nur vier Bus-Haltestellen: Rust im Burgenland führt die Liste der am schlechtesten öffentlich erreichbaren Bezirkshauptstädte Österreichs an. Es folgen Güssing im Burgenland und Waidhofen im Waldviertel. Es ist eine Abwärtsspirale: Sobald der öffentliche Verkehr wegbricht, bleiben Zuzügler und neue Betriebe aus - Landflucht und das Strömen in die Ballungszentren scheinen unaufhaltbar, wie die "Wiener Zeitung" vor kurzem berichtet hat.

Eine vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) am Donnerstag präsentierte Studie bestätigt diesen Trend. Demnach ist jede dritte Bezirkshauptstadt mit weniger als 60.000 Einwohnern mit der Bahn schwer erreichbar. Sechs dieser 76 Städte haben gar keine Bahnverbindung, wobei das Burgenland am stärksten abgeschnitten ist.

Reform der Raumordnung


Wie auch Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer, der eine Überhitzung in den Ballungsräumen vorausahnt und Förderungen für den ländlichen Raum fordert, will der VCÖ das Fortschreiten der Landflucht nicht akzeptieren. Kooperation sei das Zauberwort: "Gemeinden müssen endlich zusammenarbeiten", sagt Markus Gansterer vom VCÖ. Eine grundlegende Reform der ländlichen Raumordnung sei nötig, um der Zersiedelung Einhalt zu gebieten. Erst wenn es auch hier gewisse Konzentrationen gäbe, könne der öffentliche Verkehr sinnvoll ausgebaut und auslastend genutzt werden.

Kontraproduktiv sei allerdings, wenn - wie derzeit üblich - in angrenzenden Gemeinden je ein Einkaufszentrum entsteht, nur weil sich keiner die Kommunalsteuer entgehen lassen will. Denn eine Öffi-Verbindung zu beiden Zentren ist laut Gansterer unrealistisch. Ein Masterplan regionale Mobilität vonseiten der Regierung sei jedenfalls längst überfällig.