Wien/Alpbach. Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) geht davon aus, dass es bei der Rot-Weiß-Rot-Card in absehbarer Zeit zu Erleichterungen kommt. Bei einem Termin mit Studenten am Rande des Forum Alpbach meinte er Montagabend, dass Punkte wie die Zulassung von Bachelor-Absolventen oder eine Anhebung der Einkommensvoraussetzung nach der aufgeheizten Wahlkampf-Atmosphäre wohl umgesetzt werden könnten. Unterstützt wird Kurz dabei von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl.

Der Kammer-Chef erinnerte daran, dass man bei der Erstellung der derzeitigen Regelung von 8.000 Personen ausgegangen sei, die jährlich über die Rot-Weiß-Rot-Card auf den österreichischen Arbeitsmarkt kämen. Tatsächlich seien es aber nur 1.600. Insofern sei wohl eine Erleichterung jetzt akzeptabel, so Leitl in Richtung SPÖ und Gewerkschaft.

Ein von Kammer und ÖVP zuletzt forcierter Punkt ist, dass Studenten erleichtert werden soll, nach ihrem Universitätsabschluss in Österreich zu bleiben. Konkret geht es darum, dass Bachelor-Absolventen ebenfalls für die Rot-Weiß-Rot-Karte in Frage kommen sollen und dass eine längere Suchzeit für den Arbeitsplatz, konkret ein Jahr statt sechs Monaten, gewährt wird.

Dass derzeit nur 17 Prozent der ausländischen Uni-Absolventen danach im Land blieben, sei eine "Ressourcen-Verschwendung ersten Ranges", findet Leitl. Kurz ist da an sich seiner Meinung, relativierte aber, dass sich selbst in klassischen Einwanderungsländern wie Kanada nur 20 bis 30 Prozent der ausländischen Absolventen im Studienland niederließen. Sehr dafür ist der Staatssekretär, die Einkommensgrenze zu lockern, und zwar in jenen Fällen, wo die Absolventen in ihren Fachrichtungen eine Beschäftigung finden, "nicht z.B. als Taxifahrer", wo der Arbeitsmarkt ohnehin eng sei.

Insgesamt forderten sowohl Leitl als auch Kurz eine bessere Willkommenskultur für Zuwanderer in Österreich ein. Hochqualifizierte sollten hier empfangen werden, wie sie es sich auch vorstellen. Denn derzeit herrsche bei den Behörden noch immer ein wenig der Geist, dass wenn jemand von außen komme, man zunächst einmal "Achtung" sage.

Konkret von einem Studenten darauf angesprochen plädierte der Staatssekretär dafür, Ausländern auch den Zugang zum Rechtsanwaltsberuf zu ermöglichen. Denn derzeit könnten ausländische Juristen keine Konzipienten werden, was Kurz für eine "skurrile Situation" hält. Denn um die Position anzutreten, brauche es die Staatsbürgerschaft. Die aber bekomme man nicht, wenn man nicht das nötige Einkommen erziele. Leider sei man hier mit einer Öffnung bisher aber an der Rechtsanwaltskammer gescheitert.

Ein Mehr an Zuwanderung erwartet sich Kurz für die kommenden Jahre aus den südeuropäischen Krisenländern wie Griechenland und Portugal.