Eine Rechtssicherheit gibt es für die Paare aber nicht, und das kann quälend sein. Zumal durch das Gesetz bei derartigen Ehen, wie Hermann sagt, "ein Generalmissbrauchsverdacht" ausgesprochen wird, der Verdacht auf eine Scheinehe. Standesbeamte sind bei Eheschließungen mit Drittstaatsangehörigen verpflichtet, die Fremdenpolizei zu informieren. Und seit der Novelle vor sieben Jahren ist das Eingehen einer sogenannten "Aufenthaltsehe" auch strafrechtlich relevant. Laut Innenministerium ist die Anzahl der Aufenthaltsverbote wegen solcher Ehen seit 2006 von damals 528 auf zuletzt 9 gesunken.

Dafür gibt es zwar mehrere Gründe, allerdings gibt es vor Gericht kaum Schuldsprüche. Die Wissenschafterin Irene Messinger hat in ihrer Dissertation Geschichte und Gegenwart der Scheinehe erforscht, sie sagt: "Die Gerichte entscheiden im Zweifel für den Angeklagten. Und wenn dieser nicht selbst gesteht, gibt es wenig Nachweismöglichkeiten." Die schwere Beweisführung wird vom Innenministerium auch bestätigt, die Anzahl der Anzeigen liegen mittlerweile aber auch nur mehr zwischen 150 und 200 pro Jahr. Das wirft freilich die Frage nach der Relation des Nutzens zum Aufwand einerseits, andererseits zu den Erschwernissen für binationale Paare auf. "Es steht in keinem Verhältnis zur Hysterie", sagt Alev Korun.

Das lange Warten

Die Innenministerin lässt zwar per Statement ausrichten, "dass durch die Fremdengesetze weder das Schließen noch das Führen von binationalen Ehen erschwert oder gar verhindert werden", dem gegenüber stehen jedoch circa 6000 Beratungsfälle bei "Ehe ohne Grenzen" seit 2006.

"Manche Verfahren", erzählt Roland Hermann, "dauern so lange, dass die Beziehung zerbricht." Und manchmal wird diese Dauer auch zu einer Ewigkeit. Karamo, der unsichtbare Titelheld des Filmes, ist immer noch nicht in Österreich. Seit 1380 Tagen, 1380 Tage ohne Karamo.