Eine Spaltung gibt es aber nicht, wie Kurt Luttenberger, Spitzenkandidat der steirischen KPÖ, klarstellt: "Wir haben quasi eine CDU/CSU-Lösung." Der Grazer Gemeinderat präsentiert sich auf Wahlplakaten als "Arbeiter statt Milliardär", einen Teil ihres politischen Einkommens zahlen KPÖ-Politiker in einen Sozialfonds ein, der bei Finanzierungen von Zahnspangen und Heizkosten hilft. Durch diese "Samariterpolitik" habe sich die Partei über Jahrzehnte hinweg eine Authentizität aufgebaut, die sogar Ernest Kaltenegger überlebt hat, wie Wassermann feststellt: "Kaltenegger war immer sehr glaubwürdig, quasi die populistisch nette Version von Jörg Haider, frei von dessen verbalen Entgleisungen."

Schwäche der SPÖ

Das Thema "Leistbares Wohnen" dominiert auch in diesem Wahlkampf das Programm der KPÖ, sowohl auf Bundesebene als auch in der Steiermark. "Permanent campaining" über das ganze Jahr hinweg und eine volksnahe Politik sind genauso für den Erfolg der Kommunisten in der Steiermark und speziell in Graz verantwortlich, wie die Schwäche der Grazer SPÖ. "Ich bin ein Kommunist, aber wir machen den Hauptteil der Arbeit, die die SPÖ früher gemacht hat", sagt Luttenberger.

Im Rest Österreichs kommt die KPÖ aber nicht recht vom Fleck, während in der Steiermark einige größere Städte Kommunisten im Gemeinderat haben, in Trofaiach die KPÖ sogar eine Vizebürgermeisterin stellt. "Unsere Parteibüros sind Anlaufstellen für Menschen in Notlagen und nicht verrauchte Treffpunkte von Hinterzimmer-Revoluzzern", sagt ein Grazer KPÖ-Mitarbeiter.

Zankapfel Grundeinkommen

Fixe Mietzinsobergrenzen und Teuerungsstopp durch amtliche Preisregelungen bei Gütern des täglichen Bedarfs, lauten zwei der Forderungen der KPÖ. Bei dem von der Bundespartei geforderten bedingungslosen Grundeinkommen scheiden sich die innerparteilichen Geister. Niemand könne voraussagen, welche Folgen ein solches Projekt haben würde, warnt Luttenberger. Vielmehr könne er sich ein "Moratorium auf Zeit", wie es Luttenberger nennt, vorstellen - finanziert mittels einer Solidarabgabe von Milliardären. "Da bin ich schon dafür, dass dann einigen ihr Geldkofferl an der Grenze abgenommen wird", so Luttenberger, der dann wieder auf einer Linie mit dem Spitzenkandidaten ist. Es sei genug da, sagt Mirko Messner, es scheitere jedoch bei der Umverteilung. "In den EU-Staaten gehen jährlich tausend Millionen Euro durch legale und illegale Steuerflucht verloren, und an der Spitze der Gesellschaft besitzt ein Prozent drei Viertel des Gesamtvermögens, während die untere Hälfte der Bevölkerung mit vier Prozent auskommen muss."