Graz/Wien. Schon wieder diese beiden Worte: "Es reicht." Vertreter der Österreichischen Volkspartei wird es bei diesen Worten vermutlich nach wie vor ein wenig reißen, hat doch die schwere Niederlage bei den Nationalratswahlen 2008 mit diesem kurzen Satz ihren Anfang genommen. Der damalige Vizekanzler Wilhelm Molterer hatte mit ihm die Koalition aufgekündigt, der Wahltag bescherte der ÖVP dann ein Minus von 8,3 Prozent.

Jetzt, wenige Wochen vor dem Urnengang, sagt auch Florian Taucher: "Es reicht." Er ist Bürgermeister der Gemeinde Höf-Präbach in der Steiermark und wild entschlossen, seine politische Heimat, die ÖVP, zu bestrafen. "Ich bin schon als Junger für die Partei gerannt", erzählt er, doch am 29. September wird er erstmals sein Kreuz nicht bei der Volkspartei machen.

Taucher ist nicht allein, wie er sagt. Rund 95 Bürgermeister anderer Gemeinden hätten sich bei dem von der Steirischen Gemeindeinitiative organisierten Boykott, die beiden Regierungsparteien ÖVP und SPÖ zu wählen, angeschlossen. "Wenn sich zwei Großparteien so einig sind, ist das das Schlimmste", sagt Taucher.

Die Gemeindeinitiative kämpft seit einigen Jahren gegen den von der rot-schwarzen Landesregierung beschlossenen Plan zur Fusion von Gemeinden, an dessen Ende die Steiermark nur mehr über 285 statt bisher 539 Gemeinden verfügen soll. Es gibt durchaus Argumente dafür, auch welche dagegen, doch was Taucher so stört, ist die Ignoranz der Politiker. "Die Herrschaften in der Landesregierung", sagt er - und wer einen Satz so beginnt, hat selten Lob im Sinn - "für diese Herrschaften sind Bürgerbefragungen wertlos." ÖVP und SPÖ sind für ihn Demokratieverweigerer, und so steht es auch auf den Boykottplakaten, die verärgerte Bürgermeister aufstellen wollen.

Der Unmut in der ländlichen Steiermark hat die Fantasie anderer Fraktionen angeregt. "Es ist ja logisch, dass uns die anderen Parteien die Tür einrennen, und wir haben auch mit allen Gespräche geführt, wertfrei", sagt Taucher. Eine Wahlempfehlung ist dabei nicht herausgekommen, allerdings fordert die Gemeindeinitiative auch nicht auf, weiß, sondern andere Parteien zu wählen. "Man hört immer wieder, dass die Neos ein interessantes Programm haben", sagt der Bürgermeister.

Nur Problem der ÖVP?

Den Großparteien wünscht er ein zweistelliges Minus, "und ich erwarte mir, dass die Politiker dann aufwachen". Taucher fordert mehr Zeit, mehr Information, ein anderes Leitbild und den Respekt vor Bürgerentscheiden. Beispielsweise hätte Rohrmoos-Untertal mit Schladming fusioniert werden sollen, doch nur ein einziger Bewohner stimmte bei einer Bürgerbefragung dafür. Wirklich aufgehoben ist der Plan der Fusion nach Ansicht der Gemeindeverwalter aber nicht, trotz der Ablehnung in der Bevölkerung.