Wien. "Eine plötzlich aufgetretene schwere Krankheit macht es notwendig, dass ich mich vorübergehend schone und ganz auf meine Genesung konzentriere. Ich habe mich mit den Zweiten Präsidenten Fritz Neugebauer beraten und werde die Amtsgeschäfte weiterführen. Im Bedarfsfall werde ich mich gemäß § 15 der Geschäftsordnung des Nationalrates wie vereinbart von ihm vertreten lassen."

Diese Erklärung, gezeichnet von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (59), hat ihr Pressesprecher Gerhard Marschall Freitag Mittag in einer Pressekonferenz verlesen. Über die Art der plötzlich aufgetretenen Erkrankung wurden keine Angaben gemacht. Gebeten wurde, die Privatsphäre Prammers zu wahren.

Die Nationalratspräsidentin, die auch die oberösterreichische Kandidatenliste der SPÖ für die Nationalratswahl anführt, sei noch am Montag in Oberösterreich im Wahlkampfeinsatz gewesen und habe am Nachmittag Hausbesuche in Leonding gemacht, berichtete Marschall. Weil sie schon seit einigen Tagen leichte Beschwerden spürte, begab sie sich Montagabend in medizinische Behandlung. Am Dienstag bekam sie eine erste Diagnose, am Donnerstag nach weiteren Untersuchungen den endgültigen Befund und den Behandlungsvorschlag.

Die Fragen, ob sie nach der Nationalratswahl ihr Mandat annehmen oder wieder als Präsidentin kandidieren wird, "stellen sich derzeit nicht", sagte Marschall. Am Wahlkampf werde Prammer "im Wesentlichen" nicht mehr teilnehmen, aber vielleicht die eine oder andere Veranstaltung besuchen.

Respekt und Anerkennung

Die Nachricht von der schweren Erkrankung der Präsidentin erschütterte am Freitag Medienleute und Politiker gleichermaßen. Für kurze Zeit machte der Wahlkampf Pause. Es gab Genesungswünsche aus allen politischen Lagern. Die SPÖ hofft "von Herzen, dass Barbara Prammer ihre schwere Erkrankung überwinden und ihre politische Arbeit sowohl im Sinne der Sozialdemokratie, als auch im Sinne Österreichs mit ganzer Kraft weiterführen möge". Die Bundesgeschäftsführer Laura Rudas und Norbert Darabos betonten auch: "Die sozialdemokratische Familie steht in dieser schweren Lebensphase für Barbara Prammer voll und ganz hinter ihr." Klubobmann Josef Cap zeigte sich überzeugt, dass Prammer "mit jener Kraft, jener Zuversicht und jener Stärke, die sie als Person auszeichnet, ihre Krankheit überwinden wird".

"Sie bleibt unsere Spitzenkandidatin und wird hoffentlich rasch wieder gesund", erklärte der oberösterreichische Parteichef Josef Ackerl. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) wünschte ihrer "Mentorin und Freundin" - Prammer war von 1997 bis 2000 Frauenministerin - viel Kraft in dieser schweren Zeit.

Auch von hochrangigen Vertretern aller anderen Parlamentsparteien kamen Genesungswünsche für die Nationalratspräsidentin. "Vorrang hat jetzt die Genesung" und dafür wünschte ihr der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer (ÖVP) "viel Kraft". Aus der ÖVP wünschten auch Parteichef Michael Spindelegger, Klubobmann Karlheinz Kopf und Prammers Amtsvorgänger Andreas Khol, der Nationalratspräsidentin eine baldige Genesung. Khol bezeugte "großen Respekt für Ihrer Arbeit für unseren Nationalrat".

"Respekt" zollten auch die Oppositionsvertreter der Nationalratspräsidentin - und zwar für den "mutigen Schritt", umgehend die Öffentlichkeit von ihrer Erkrankung zu informieren. Alle vier Klubobleute - Heinz-Christian Strache (FPÖ), Eva Glawischnig (Grüne), Josef Bucher (BZÖ) und Robert Lugar (Team Stronach) - wünschten Prammer gute Besserung und baldige Genesung.

Erstmals wird Prammer von Neugebauer bei den Sondersitzungen des Nationalrats am Dienstag und Mittwoch kommender Woche vertreten.