Die Unsicherheit der Parteien im Umgang mit Migranten liege für ihn darin begründet, dass "die Migranten" eben keine homogene Gruppe seien. "Diese Gruppe ist völlig unberechenbar, weil man nicht weiß, wie sie wählen", so Hajek. Deswegen sei die Politik auch gegen eine Ausweitung des Wahlrechts für Menschen mit Hauptwohnsitz und ohne Staatsbürgerschaft. Die Wirtschaft sei hier schon weiter, Stichwort Ethnomarketing.

Hajek ist derselben Meinung wie Caliskan: "Wenn Menschen so simple gestrickt wären, dass sie Migranten wählen, weil sie selber Migrant sind, dann würden etwa alle Frauen auch nur Frauen wählen."

Kenan Güngör, Soziologe, warnt davor, Migranten in der Politik nur für Migrantenthemen einzusetzen. "Diese intellektuelle Kastrierung halte ich für sehr problematisch." Dadurch würden Migranten nur auf ein Thema reduziert werden. Als Mann kann man etwa auch über Frauen-Themen reden. Und das sei gut so.

Ein Drittel Bauern und keine Angestellten

Derzeit ist Alev Korun die einzige Migrantin im Nationalrat. Hajek: "Wenn wir danach gehen, dass Politiker im Nationalrat alle Bevölkerungsgruppen repräsentieren, dann hätten wir ein Drittel Bauern im Land und keine Angestellten." Fehlende oder überproportionale Repräsentation habe keine unmittelbare Rückwirkung auf die Wahlbeteiligung, unterstreicht er.

Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch, beurteilt den derzeitigen Wahlkampf positiv. "Man sieht, dass sich in den vergangenen Jahren etwas bewegt hat." Ein kleiner Meilenstein sei für ihn die Nominierung des muslimischen Kandidaten Asdin El-Habbassi bei der ÖVP. Die Partei hätte erstmals einen Kandidaten ohne christlichen Hintergrund.

Migranten wurden im Wahlkampf als Zielgebiet erkannt, sagt Kenan Güngör. Nur würde man nicht dazu stehen. Das sei ein typisch österreichisches Phänomen. "Man holt Zuwanderer und schämt sich dafür, man tritt der Europäischen Union bei und schämt sich dafür."

Fritz Hausjell, Kommunikationswissenschafter, wünscht sich für die kommende Legislaturperiode ein Integrationsministerium. Erneut wiederholt er seine Kritik gegenüber der Regierung, die das Thema Migration im Integrationsstaatssekretariat und dieses im Innenministerium ansiedelte. "Das ist das falsche Signal. Man hat das Thema Frauen auch nicht beim Sport angesiedelt."

In ferner Zukunft sollte dann auch ein Integrationsministerium nicht mehr nötig sein, wünscht sich Hausjell. Nämlich dann, wenn Migration für die Politik und die Mehrheitsgesellschaft als selbstverständlich gilt.