"I haaß Kolaric, du haaßt Kolaric. Warum sogns’ zu dir Tschusch?" Mit einer modernen Variante des legendären Plakats wirbt SOS Mitmensch für die "Pass egal"-Wahl. - © SOS Mitmensch/Daniel Dutkowski
"I haaß Kolaric, du haaßt Kolaric. Warum sogns’ zu dir Tschusch?" Mit einer modernen Variante des legendären Plakats wirbt SOS Mitmensch für die "Pass egal"-Wahl. - © SOS Mitmensch/Daniel Dutkowski

Wien. Kein Wahlkampf kommt ohne das Thema aus. Doch das war nicht immer so. Es gab Zeiten, in denen die berühmt-berüchtigte "Ausländerthematik" in den Wahlprogrammen der Parteien eine untergeordnete bis kaum vorhandene Rolle spielte. Und das, obwohl etwa in den 1970er Jahren bereits mehr als 200.000 Gastarbeiter in Österreich lebten.

Der Kommunikationswissenschafter Oliver Gruber hat die Wahlprogramme der Parteien über die Jahrzehnte miteinander verglichen - und kommt wenig überraschend zu dem Schluss, dass das Thema erst mit dem Einzug der Grünen ins Parlament und den stetigen Stimmenzuwächsen der Freiheitlichen zu Beginn der 1990er Jahre eine zunehmende Rolle in Wahlkämpfen spielt. Gruber, der im Jänner eine aktualisierte Fassung der Studie herausgibt, wurde von der Medienservice Stelle Neue Österreicher zum aktuellen Wahlkampf befragt. Da fällt auf, dass etwa das BZÖ, das mit einem liberaleren Ansatz um seine parlamentarische Existenz kämpft, das Thema Migration im Wahlprogramm überhaupt nicht mehr erwähnt.

ÖVP fährt "zweigleisig"

Auch die Grünen, die heuer vor allem auf Anti-Korruption setzen und ansonsten ihre Bio-Schiene wiederentdeckt haben, könnten sich leisten, das Thema Migration beiseite zu lassen. Die ÖVP fahre "zweigleisig": Während sich die Schwarzen früher eher den Freiheitlichen angenähert hätten, würden sie mit dem Integrationsstaatssekretariat einen pragmatischeren Weg gehen, so Gruber, der bei den anderen Parteien keine Veränderungen feststellt.

Schon bei vergangenen Urnengängen haben die Parteien die Migranten als Zielgruppe entdeckt. Zuletzt warf FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache im TV-Duell Kanzler Werner Faymann vor, die SPÖ werbe auf Türkisch. Wie sich später herausstellte, hatte ein Kandidat tatsächlich türkische Plakate erstellt. Strache wirbt indes offensiver um die Serben - neben eigens zugeschnittenen Anzeigen trägt er die Brojanica, ein serbisch-orthodoxes Gebetsband. Auf den "Nächstenliebe"-Plakaten beispielsweise perfekt inszeniert auf jeweils dem Handgelenk, das gerade von der Kamera erfasst wird. Ins selbe Horn bläst ein Werbevideo von FPÖ TV, das im Internet kursiert. Darin erklären gebürtige Serben werbewirksam, warum sie FPÖ wählen.

Mit dabei ein WU-Student, der erklärt, dass er zwar keine Staatsbürgerschaft besitze und daher nicht wählen dürfe - "trotzdem setze ich mich für die FPÖ sein".