Seltsames "Tatort"-Timing

Sonntagabend ist "Tatort"-Zeit. Diesmal aber nur im ORF, denn die ARD hatte einen anderen Krimi zu bieten. Also wiederholte der ORF eine alte Folge mit Austro-Kommissar Harald Krassnitzer. Es ging um eine serbische Privatarmee, die im Jugoslawien-Krieg Muslime abgeschlachtet hatte und deren gealterte Proponenten den serbischen Nationalismus nun in Wien wiederaufflammen ließen - Blutbad inklusive. Prinzipiell eine gelungene Folge - das Timing war aber in mehrerlei Hinsicht fragwürdig. Zum einen zeugt es nicht gerade von Pietät, ausgerechnet kurz nach einem Wilderer-Amoklauf einen Krimi auszustrahlen, in dem zig Polizisten und Cobra-Beamte erschossen werden. Auf der anderen Seite: Eine Woche vor dem Urnengang indirekt das wahltaktische Interesse der FPÖ für die serbischen Nationalisten anzuprangern - noch dazu an dem Tag, an dem der Hauptdarsteller im Personenkomitee für Werner Faymann auftritt -, ist für einen öffentlich-rechtlichen Sender politisch etwas unsensibel. Aus dem ORF hieß es, die Folge sei lange geplant gewesen. Man habe bloß den "Tatort" wiederholt, der zuletzt die besten Einschaltquoten hatte.

Boykottaufruf ignoriert

Das Echo auf den Boykottaufruf der steirischen Gemeindeinitiative, SPÖ und ÖVP am Sonntag wegen der "Zwangsfusionen" nicht zu wählen, ist geringer als erwartet: In kaum mehr als 20 Gemeinden wurden entsprechende Plakate affichiert; passiv dürfte der Boykott von ÖVP- und wenigen SPÖ-Bürgermeistern durch abgesagte Veranstaltungen und Hausbesuche etwas höher, aber ebenfalls überschaubar sein. Selbst der Sprecher der Initiative, Höf-Präbachs Bürgermeister Florian Taucher (ÖVP), hat aber Verständnis dafür: "Es ist ganz schmerzlich zu plakatieren: ‚Wählen sie die eigene Partei nicht!‘"

Wahl-Splitter