Wien. Die Nationalratswahl am Sonntag hat für SPÖ und ÖVP in Niederösterreich zum zweiten Mal in Folge die historisch schlechtesten Ergebnisse gebracht. Die SPÖ sank gegenüber 2008 um 2,6 Prozentpunkte auf 27,8 Prozent ab, die ÖVP blieb mit 30,4 Prozent (minus 1,8 Prozentpunkte) über der 30-Prozent-Marke. Das Plus für die Freiheitlichen betrug 1,3 Prozentpunkte, sie erreichten 19,4 Prozent. Die Grünen kamen auf 9 Prozent (plus 1 Prozentpunkt).

Ein halbes Jahr nach der Landtagswahl am 3. März wurde deutlich, dass die Wähler - insbesondere der ÖVP - sehr genau zwischen Landes- und Bundesebene unterscheiden: Am 3. März hatten mehr als 50 Prozent Landeshauptmann Erwin Pröll und seiner Partei die bisherige absolute Mehrheit gesichert. Frank Stronach wurde gegenüber dem Votum im Frühjahr einigermaßen "entzaubert": Hatte der Gründer des Team Stronach beim ersten Antreten in Niederösterreich noch fast 10 Prozent geholt, waren es jetzt nur 4,7 Prozent. Knapp dahinter rangierten die Neos (4,3 Prozent).

Hätte Österreich wie Niederösterreich gewählt, hieße der Bundeskanzler Michael Spindelegger: Mit dieser Aussage verwies Landeshauptmann Erwin Pröll darauf, dass die ÖVP in seinem Bundesland den Abstand zur SPÖ verkleinert hatte. Fakt sei aber auch, dass beide Parteien "nicht gestärkt" wurden, sondern vielmehr die große Koalition vom Wähler "gerade noch" akzeptiert wurde. Darin sah der Landeshauptmann einen "enorm lauten Warnschuss" der Wähler, einen Hinweis darauf, dass man weg vom ständigen Zank hin zu partnerschaftlicher Kooperation kommen müsse. Zugleich erklärte er seine Präferenz einer großen Koalition gegenüber und erteilte einer Obmann-Debatte eine Absage.

Die SPÖ musste ihren höchsten Verlust in Niederösterreich in Schwechat hinnehmen, den größten Gewinn gab es in Dorfstetten im Bezirk Melk. Die Laterne für die ÖVP trägt Jaidhof im Bezirk Krems, dafür gab es zwei Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich in Nöchling (Bezirk Melk).

Die Freiheitlichen erreichten ihr stärkstes Plus in Prigglitz (Bezirk Neunkirchen), büßten aber in Blindenmarkt am stärksten ein. Die Grünen verzeichneten den meisten Zuwachs in Parbasdorf und einen Absturz in Mauerbach.

Gießhübl im Bezirk Mödling war mit 13,3 Prozent die niederösterreichische Hochburg der Neos. Das Team Stronach erreichte in Frank Stronachs Oberwaltersdorf (Bezirk Baden) mit 11,90 Prozent das beste Ergebnis. Und in der Hinterbrühl, der Heimatgemeinde von Spindelegger, verbuchte die ÖVP mit 39,8 Prozent fast dasselbe Ergebnis wie 2008.

SPÖ-Chef Matthias Stadler freute sich über den Erhalt der "bewährten" Position und sah den Kanzler-Anspruch für Werner Faymann gewahrt. Naturgemäß groß war die Freude bei den Freiheitlichen, die neben dem Wahlerfolg für Heinz-Christian Strache unter Hinweis auf das "Trauma" bei der Landtagswahl im Frühjahr auch eine Bestätigung für die neue Landesparteiführung sahen. Auch die Grünen freuten sich über das beste NÖ-Ergebnis.