Wien. Die politische Landschaft in Österreich zersplittert zunehmend - "Volksparteien", die für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen attraktiv sind, gibt es keine mehr. Das zeigt die Wahltagsbefragung des Sora-Instituts für den ORF. Demnach konnte die SPÖ vor allem Frauen, Senioren und Pflichtschulabsolventen ansprechen. Die ÖVP überzeugte deutlich mehr Frauen als Männer, während die FPÖ bei den Männern und den Arbeitern punkten konnte. Die Grünen schneiden bei den Akademikern besonders stark ab.

Allerdings verloren die Grünen massiv an die Neos, gleich 57.000 Wähler von 2008 (11 Prozent). Von der ÖVP wanderten zwar nur 5 Prozent in Richtung Neos, jedoch insgesamt 61.000 Stimmen. Damit lukrierten die Pinken fast die Hälfte ihrer Wähler von diesen zwei Parteien.

Besonders ausgeprägt ist das unterschiedliche Wahlverhalten von Männern und Frauen: SPÖ, ÖVP und Grüne werden überdurchschnittlich stark von Frauen gewählt, die FPÖ besonders häufig von Männern. Wären nur Frauen wahlberechtigt, hätten die Freiheitlichen 16 Prozent, bei den Männern sind es dagegen 29 Prozent. Auch bei den Jungwählern ist dieser Unterschied stark ausgeprägt: Durchschnittlich liegen SPÖ, ÖVP, FPÖ und Grüne bei den Jungwählern mit 21 bis 23 Prozent in etwa gleichauf.

Bei den Frauen bis 29 haben die Grünen allerdings mit 27 Prozent die Nase vorne (knapp vor ÖVP und SPÖ), nur zehn Prozent würden FPÖ wählen.

Während SPÖ und ÖVP bei den Jungen also unter Mobilisierungsproblemen leiden, zählen die älteren Wähler zu den treuesten Unterstützern der alten Großparteien. SPÖ und ÖVP konnten prozentual mehr Wähler von 2008 halten als jede andere Partei, richtiggehend zerbröselt hat es das BZÖ, das nur 12 Prozent seiner Wähler wieder überzeugen konnte. Jede vierte BZÖ-Stimme übersiedelte ins blaue Lager.

Das Team Stronach profitierte ebenfalls vom BZÖ-Desaster (68.000 Stimmen), bekam allerdings auch von SPÖ. ÖVP und FPÖ Zuwächse zwischen 40.000 und 50.000 Wählern. Der große Exodus von der FPÖ in Richtung Stronach blieb aber aus.

Mehr Wähler als an Stronach wanderten von Blau ins Lager der Nichtwähler (79.000). Besonders stark verlor die SPÖ an Nichtwähler (173.000), die FPÖ konnte dagegen aus diesem Pool mit 52.000 Stimmen die meisten abschöpfen.

FPÖ-Mehrheit bei Arbeitern

Nach Berufsgruppen betrachtet liegen folglich auch SPÖ und ÖVP bei den Pensionisten vorne - und zwar nahezu gleichauf: 34 Prozent der Pensionisten haben SPÖ gewählt, 31 Prozent ÖVP.

Die Mehrheit der Arbeiter wählte auch diesmal allerdings nicht SPÖ (25 Prozent), sondern freiheitlich (34 Prozent). Bei den Angestellten liegt die SPÖ mit 27 Prozent knapp vor der FPÖ (25).

Bei den Selbständigen hat die ÖVP mit 36 Prozent die Nase vorne. In dieser Wählergruppe erzielten auch Neos und Team Stronach mit jeweils 13 Prozent ihre besten Ergebnisse und lagen haarscharf vor den Grünen (12 Prozent) und deutlich vor der SPÖ (5 Prozent).

Deutliche Unterschiede zeigt auch die Betrachtung nach Bildungsniveau. Während bei den Pflichtschulabsolventen die SPÖ mit 35 Prozent vorne liegt, wählen 36 Prozent der Lehr-Absolventen die FPÖ (die SPÖ liegt hier bei 28 Prozent). Die Absolventen berufsbildender Schulen wählen dagegen besonders häufig ÖVP (34 Prozent), bei den Akademikern kommen die Grünen mit 31 Prozent auf ihren größten Stimmenanteil, die Neos schaffen bei den Uni-Absolventen 13 Prozent.

Vergleichsweise ausgewogen dagegen das Wahlverhalten der Österreicher mit Matura: Hier weist die Umfrage 21 Prozent für die ÖVP aus, je 19 Prozent für SPÖ, FPÖ und Grüne.