Wien. Die sozialdemokratischen Gewerkschafter schreiten am kommenden Donnerstag zur Wahlnachlese. Nach internen Beratungen im FSG-Präsidium wird im Anschluss SPÖ-Chef Werner Faymann als Gast bei einer Vorstandssitzung seine Sicht der Dinge in Sachen Regierungsbildung kundtun. Auch wenn es bei den roten Gewerkschaftern durchaus Stimmen gibt, es mit den Freiheitlichen zu versuchen, dürften die Sitzungen eine klare Absage an Rot-Blau zum Ergebnis haben.

Vor allem der Salzburger Arbeiterkammer-Präsident Siegfried Pichler und die ÖGB-Chefs der Steiermark und Vorarlbergs, Horst Schachner bzw. Norbert Loacker hatten sich vehement gegen eine fortgesetzte Ausgrenzung der Freiheitlichen gewandt. Dazu kam mit Josef Muchitsch immerhin der Vorsitzende einer Teilgewerkschaft, nämlich der Bau/Holz, der zwar insofern die Parteilinie vertrat, als man zunächst Verhandlungen mit der ÖVP angehen solle, im Fall eines Scheiterns aber mit den Freiheitlichen in Gespräche eintreten sollte.

Expertise der Gewerkschaft

Eine entsprechende Linie wird die FSG aber wohl nicht einschlagen, war von mehreren Gewerkschaftern im Vorfeld zu hören. Im Gegenteil dürfte es eine Festlegung darauf geben, eben keine Koalition mit den Freiheitlichen einzugehen, was auch der geltenden Beschlusslage des SPÖ-Parteitags entspricht. Mit FSG- und GPA-Chef Wolfgang Katzian und dem Vorsitzenden der größten Arbeitergewerkschaft "pro-ge", Rainer Wimmer, hatten nach der Wahl auch die Chefs der beiden wichtigsten rot-dominierten Gewerkschaften klar gemacht, dass aus ihrer Sicht mit der FPÖ kein Staat zu machen ist.

Dass die Gewerkschafter bei den Regierungsverhandlungen mitreden wollen, ist Faymann klar. Insofern werde es am Donnerstag auch keine Aufforderung an den SPÖ-Chef geben müssen, die FSG entsprechend einzubinden. Der Kanzler schätze die Expertise der Gewerkschaft ohnehin, hieß es dazu selbstbewusst und wohl auch realistisch aus der FSG.

Klar ist auch, dass die roten Gewerkschafter wieder mit einem Spitzenmann in der Regierung vertreten sein werden, sollte die SPÖ eine Koalition zusammenbringen. Dieser Posten wird aller Voraussicht nach Sozialminister Rudolf Hundstorfer zufallen. Wichtiger als die Person ist für die Gewerkschaft freilich, dass die Arbeitsagenden, auf die von der ÖVP immer wieder geschielt wird, im Ministerium bleiben. Sollte der Posten von Gesundheitsminister Alois Stöger tatsächlich eingespart werden, wäre das machttechnisch übrigens kein Problem der Gewerkschaft, war dieser doch nicht als Gewerkschafter sondern auf einem oberösterreichischen Ticket in die Regierung gekommen.

Was die weiteren zu vergebenden Spitzenpositionen betrifft, war vor allem FSG-Bundessekretär Willi Mernyi immer wieder als möglicher neuer Bundesgeschäftsführer genannt worden. Auf Anfrage der APA winkte er zuletzt aber ab.