Wien. Das Team ist empört über Monika Lindner. "Demokratiepolitisch ist es schwer bedenklich und eine Verhöhnung des Parlamentarismus." So kommentierte die designierte Vize-Klubobfrau des Team Stronach, Waltraud Dietrich, am Dienstag in einer Aussendung die Entscheidung der früheren ORF-Generaldirektorin, das Nationalratsmandat entgegen ihrer vorhergegangenen Aussagen doch anzunehmen. Dietrich warf Lindner vor, dass die Annahme des Mandates vordergründig in Zusammenhang mit finanziellen Interessen stehe.

Lindner hatte am dritten Listenplatz des Team Stronach kandidiert, ihre Kandidatur aber weit vor der Wahl wegen Aussagen vom damaligen Team Stronach-Klubobmann Robert Lugar zurückgezogen und sich folglich im Wahlkampf nicht engagiert. "Wenn Lindner sich jetzt plötzlich doch als freie Mandatarin ihren Sitz im Nationalrat fürstlich entlohnen lässt, dann ist das keine Form von Anstand und Charakter", findet Dietrich. Die anderen Kandidaten hätten für den Wahlerfolg gekämpft.

Dietrich vermutet finanzielle Motive hinter Lindners Entscheidung: "Wenn mediale Berichte stimmen, dass sich Frau Lindner im ORF erkundigt hat, ob sie neben ihrer ORF-Pension von kolportierten 10.000 Euro auch ein Nationalratsgehalt von über 8.000 Euro beziehen kann, dann ist offensichtlich, worum es ihr wirklich geht." Das sei "menschlich zutiefst enttäuschend und moralisch verwerflich", meinte Dietrich.