Ein Haftzentrum mit Wohlfühlfaktor?

Neu soll auch die Art der Schubhaft in Vordernberg sein. Die bisherigen Anhaltezentren seien "weder von ihrer baulichen Beschaffenheit noch von den infrastrukturellen Gegebenheiten optimal dafür equitiert, eine moderne, in humanitärer und sozialer Hinsicht qualitätvolle Anhaltung von Fremden sicherzustellen", heißt es in einem Informationsfolder des BMI. Sprich: Es soll weniger gefängnismäßig sein, aber trotzdem ein geschlossenes Areal.

"Vordernberg nimmt mit dem Schubhaftzentrum eine Vorreiterrolle ein", erklärte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner im April. "Die Achtung der Menschwürde und die möglichste Schonung der Angehaltenen ist uns ein großes Anliegen." Vor allem soll abzuschiebenden Familien ein erträgliches Beisammensein ermöglicht werden (wobei Kinder nur freiwillig in Schubhaft kommen). Angesichts der Tatsache, dass es sich trotzdem um eine Hafteinrichtung handelt, klingt es fast zynisch, wenn Mikl-Leitner sagt: "Ziel ist es, den Menschen in der Schubhaft eine Umgebung zu bieten, in der sie sich möglichst wohlfühlen können."

Eigentlich hätte das Schubhaftzentrum schon Mitte 2012 eröffnet werden sollen. Weil sich der Baubeginn aber verzögert hat, wird es erst Anfang 2014 in Betrieb gehen. Für die strukturschwache Region ist das Anhaltezentrum ein Segen, entstehen doch rund 180 "krisenfeste" Arbeitsplätze. Für Vordernberg bedeutet das eine Wertschöpfung von rund 13 Millionen Euro im Jahr - auch ein Grund, warum sich bei einer Bürgerbefragung 70 Prozent für den Bau des Schubhaftzentrums aussprachen.