Dieses Problem kennt auch Siegfried Pucher, Gastronomie-Chef des Grand Hotel in Wien. Er ist für das japanische Restaurant "Unkai" zuständig. "Was früher drei Wochen gedauert hat, kann jetzt bis zu drei Monaten dauern", sagt er. Das wirke sich auch auf den Preis aus: "Die Zwischenlagerung muss bezahlt werden. Aber mir ist lieber, es wird genau kontrolliert", so Pucher. Direkt aus Japan importiert auch er nicht. Es sei aber nicht Fukushima der Auslöser, sondern die hohen Preise für verhältnismäßig kleine Importmengen. Skepsis vonseiten der Kunden gab es nur am Anfang: "Da war ein wenig Aufklärungsarbeit notwendig. Die Mitarbeiter müssen auch genau wissen, woher die Produkte kommen", sagt Pucher.

Sicheres Sushi

Bei der Kontrolle von Direktimporten vergeht laut Manfred Ditto, Strahlenschutzexperte des Gesundheitsministeriums, nicht so viel Zeit: "Wir kontrollieren zu hundert Prozent alle Direktimporte. Die kommen am Flughafen an und innerhalb von zwei Tagen ist das Ergebnis da. Das liegt hier nicht ewig herum."

Für die Lebensmittelkontrollen wird Japan in betroffene und nicht betroffene Präfekturen unterteilt: "Produkte aus nicht betroffenen Gebieten brauchen von japanischen Behörden ein Ursprungszertifikat." Diese Produkte werden laut Strahlenschutz-Experte Ditto stichprobenartig kontrolliert. "Produkte aus betroffenen Regionen müssen ein von den japanischen Behörden bestätigtes Messzertifikat haben", erklärt der Experte. Trotzdem werden auch diese Produkte in der EU stichprobenartig kontrolliert.

"Für die Importe aus Japan gibt es eine europäische Verordnung. Da sind Grenzwerte festgelegt und die sind gleich niedrig wie die japanischen Grenzwerte", erklärt Ditto. Diese Werte liegen für Lebensmittel bei 100 Becquerel Cäsium-134 und Cäsium-137 pro Kilogramm, für Säuglings-Lebensmittel oder Milcherzeugnisse bei 50 Becquerel pro Kilogramm.

Wenig Japan-Importe

Selbst wenn Fisch aus dem Pazifik importiert werde, sieht Ditto derzeit keine Gefahr: "Die Verdünnung im Pazifik ist natürlich riesengroß. Sie finden im Pazifik selbst in zehn bis 15 Kilometer Entfernung von Fukushima niedrigere Radioaktivitätswerte als zum Beispiel in der Ostsee durch Tschernobyl. In der Küstenregion um Fukushima herrscht sowieso ein Fischfangverbot."

Fakt ist auch: Die Importe aus Japan halten sich in Grenzen. Auch Ditto weiß: "Selbst wenn man in ein japanisches Restaurant geht, sind die Lebensmittel dort nicht wirklich aus Japan."

Laut Christian Wenzl von der Wirtschaftskammer Wien importierte Österreich im Jahr 2012 Lebensmittel im Wert von 3,9 Millionen Euro aus Japan. Damit liege laut ihm der Anteil von aus Japan importierten Lebensmitteln am heimischen Gesamt-Importvolumen von Lebensmitteln bei 0,03 Prozent.