"Wiener Zeitung": In Vordernberg werden 55 Polizisten Dienst tun. Trotzdem suchen Sie dafür Securities. Wozu?

Matthias Wechner: Verfassungsrechtlich ist klar geregelt, dass hoheitsrechtliche Aufgaben nicht ausgelagert werden dürfen, etwa die Anwendung von unmittelbarer Befehls- und Zwangsgewalt. Das ist den Polizeibeamten vorbehalten. Das ist nicht unser Job, auch nicht die Gebäudesicherheit oder der Transport. Wir sind auch nicht für das Verfahren verantwortlich, wer wann wie abgeschoben wird.

Wenn jemand in Vordernberg ankommt, übernehmen wir diese Person von der Exekutive und betreuen sie während des Aufenthalts. Wir sind zuständig für die Stockwerksaufsicht, sind erster Ansprechpartner der Angehaltenen. Wir versuchen den Alltag sinnvoll zu gestalten - mit Freizeitbeschäftigung, Sport, Bibliothek in verschiedensten Sprachen. Für die verschiedenen Religionen gibt es Angebote und Räume. Wir sind Generalunternehmer und haben Sublieferanten für die Krankenstation oder Verpflegung und Reinigung.

G4S in Österreich hat keinerlei Erfahrung mit solchen Projekten. Was hat für Sie gesprochen?

Gefragt waren einschlägige Erfahrungen mit Schubhaftzentren, Gefängnissen und so weiter. Wir sind Teil des weltgrößten Sicherheitskonzerns - da gehört der Betrieb von Schubhaftzentren, Asylzentren, bis hin zu privaten Gefängnissen in verschiedenen Teilen der Welt zu unserer Kernkompetenz.

Das klingt nach einer maßgeschneiderten Ausschreibung.

Aus den Medien wusste man natürlich schon früher, dass in der Obersteiermark ein Projekt entsteht. Details erfuhr man aber erst, als im Frühjahr die Ausschreibung veröffentlicht worden ist. Mit solchen Themen befassen wir uns schon länger, weil ich überzeugt bin, dass in Österreich noch viel Potenzial da ist, Dienstleistungen auszugliedern und kostenoptimiert durchzuführen.

Der Ruf Ihrer Firma ist schwer beschädigt, vor allem in England, wo ein Schubhäftling in Obhut von G4S ums Leben kam.

Dass man als Konzern, der in heiklen Bereichen wie Privatgefängnissen tätig ist, Kritik erfährt, ist nicht überraschend. Was in England passiert, dazu kann ich wenig sagen. Ich bin nur für das Österreich-Geschäft zuständig, und hier haben wir einen guten Ruf. Wir sind Teil eines Großkonzerns, aber gleichzeitig auch ein traditionsreiches österreichisches Unternehmen.