Wien. Wie das Essen geschmeckt hat, ist nur ein Kriterium von vielen, nach denen Patienten die Qualität eines Krankenhauses beurteilen. Das Essen ist sogar von ziemlich geringer Bedeutung, wie eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Linzer Marktforschungsinstituts "market" im Auftrag des Spitalverbandes Vinzenz Gruppe ergeben hat. Vielmehr ist der Ruf der behandelnden Ärzte und des Spitals ausschlaggebend - eine Information, die derzeit nur über Mundpropaganda möglich ist.

Patienten lechzen aber laut Umfrage nach Erfahrungswerten und Transparenz, um sich das Spital, in dem sie behandelt werden sollen, aussuchen zu können. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung wünscht sich etwa, dass Spitäler auch ihre Heilerfolge verpflichtend veröffentlichen. Nur 39 Prozent gaben allerdings an, bei der Suche nach Informationen erfolgreich gewesen zu sein. Prinzipiell wurde vor allem im Internet über mehr oder weniger seriöse Postings nach Auskünften über Spitäler gesucht. Derer gibt es viele: Allein im Vorjahr gingen 46.000 solcher Postings online.

Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe, fordert daher die Einführung objektiver, Mess- und vergleichbarer Qualitätskriterien für Spitäler, die Patienten jederzeit abrufen können. Diese sollen sowohl medizinische als auch persönliche Erfahrungswerte beinhalten. Als Vorbild könnte Deutschland dienen, wo es seit Jahren eine übergeordnete Internet-Bewertungsplattform gibt, die genau diese Informationen bietet. In weiterer Folge sollen laut Heinisch auch die persönlichen Qualitätskriterien in die Krankenhausplanung miteinbezogen werden.

"Patienten werden wählerisch", resümiert Heinisch. Es sei ein Kulturwandel im Gange: Der einst dem Arzt hörige Patient agiere heute selbstbewusster und selbstbestimmt.

Spitalskompass als Vorstufe


"Patienten-Information und Transparenz sind wesentliche Punkte der Gesundheitspolitik und zentrale Themen der Gesundheitsreform", heißt es dazu auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" vonseiten des Gesundheitsministeriums. Was die Leistungen der Spitäler betrifft, gebe es bereits den Österreichischen Spitalskompass: Unter www.spitalskompass.at ist abrufbar, welche Krankenhäuser welche Operationen und Therapien anbieten und wie oft diese durchgeführt werden. Auch Zusatzinformationen wie das Vorhandensein von WLAN oder Sat-TV werden geboten. Die Zahl der Zugriffe auf diesen Service ist laut Ministerium stark gestiegen: von 4000 pro Monat im Jahr 2011 auf heute 10.000. Patienten können allerdings nicht am Spitalskompass mitwirken. Noch nicht. "Eine Erweiterung ähnlich der Bewertungsplattform in Deutschland ist auch für Österreich vorstellbar", heißt es aus dem Gesundheitsministerium.

Eine weitere Möglichkeit wäre, das AIQI (Austrian Inpatient Quality Indicators Project) auszubauen: eine bundesweit einheitliche Datenbank über die medizinischen Leistungen der Spitäler, die der Qualitätssicherung dienen soll. Derzeit hat die Öffentlichkeit allerdings keinen Zugriff darauf.

Hinsichtlich Qualität stellen die Patienten den Spitälern schon jetzt ein gutes Zeugnis aus: Nur vier Prozent fühlten sich bei ihrem letzten Spitalaufenthalt laut Studie "nicht gut aufgehoben".