Sie selbst wurden anlässlich Ihrer Wahl zum Dritten Nationalratspräsidenten relativ wohlwollend porträtiert, quasi als freundliches Gesicht der FPÖ. Im direkten Vergleich zu Ihrem heftig umstrittenen Vorgänger Martin Graf polarisieren Sie kaum. Wie fällt Ihre politische Selbstbeschreibung aus?

Ich würde mich als wirtschaftspolitisch liberal mit den Schwerpunkten auf Sozial- und Umweltpolitik bezeichnen.

Mit Verlaub, diese Kombination ist ein Widerspruch in sich selbst, Sozial- und Umweltpolitik bestehen im Kern daraus, das Wirtschaftsleben entsprechend zu regulieren.

Nicht unbedingt, man kann durchaus beide Aspekte miteinander vereinen. Ich bin etwa, am Beispiel der Umweltpolitik, gegen das Kyoto-Protokoll, das dazu führt, dass Firmen von Europa nach China wandern, nur um dann wieder diese chinesischen Produkte nach Europa zu re-importieren; ich halte auch nichts von Strafzahlungen, die aus Verstößen gegen diese Regeln resultieren - dieses Geld könnte sinnvoller verwendet werden; und ich bin gegen ausufernde Subventionen, stattdessen sollte mithilfe von Steuern gesteuert werden. Was die Rolle des Staates angeht, so sollte sich die öffentliche Hand auf die unmittelbare Daseinsvorsorge beschränken. Die Wasserversorgung etwa muss in öffentlicher Hand sein, bei einem Flughafen bin ich mir da nicht sicher. Natürlich gibt es auch hier legitime öffentliche Interessen, aber dazu reicht auch, wenn der Staat eine Sperrminorität von 25 Prozent hält.

Und wo stehen Sie ideologisch?

In bin ja in der FPÖ für die Programmarbeit zuständig, von daher erachte ich Freiheit als den wichtigsten Wert, unser höchstes Gut, das jedoch nicht losgelöst von persönlicher Verantwortung gesehen werden kann.

In einem Bericht wurden Sie als "deutschnational" charakterisiert. Ist das korrekt?

Ich bin im Burgenland aufgewachsen, wo es mehrere verschiedene Volksgruppen gibt, die hervorragend zusammenleben, wobei ich zur deutschsprachigen Volksgruppe gehöre.

Der Begriff "deutschnational" stammt allerdings aus einem anderen Zusammenhang, er gewann seine Prägung Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, als es um die Staatlichkeit Österreichs ging.

Ich fühle mich der deutschen Volksgruppe zugehörig; ich halte es für wichtig, sich dafür nicht zu schämen; und es ist auch richtig, dass durch die Ereignisse vor und nach dem Zweiten Weltkrieg dieser Begriff ins Negative kippte. Nur weil ich so denke, fühle ich mich aber in keinster Weise irgendwie zur Bundesrepublik Deutschland hingezogen, im Gegenteil: Ich bin Österreicher mit Leib und Seele.