Der Großteil der Migranten, die in Österreich versterben, wird für die Beerdigung ins Geburtsland überführt. Das hat die "Medien-Servicestelle Neue Österreicher/innen" (MSNÖ) über die fünf größten Zuwanderergruppen in Österreich in Erfahrung gebracht. Genaue Zahlen zu den Überführungen, also dem Transport der Verstorbenen, können die jeweiligen Botschaften geben. Sie stellen den für eine Überführung notwendigen Leichenpass aus.

Allein von Wien aus finden jährlich 900 Überführungen in andere Länder statt. Die meisten (450) werden von ausländischen Bestattern durchgeführt, 300 gehen von islamischen Bestattungsunternehmen aus und lediglich 150 Überführungen von "Bestattung Wien", dem größten österreichischen Bestattungsunternehmen.

Zahlen nur zu "ausländischen Staatsbürgern"
Knapp 79.500 Menschen sind in Österreich im Jahr 2012 verstorben. Darunter waren 3099 ausländische Staatsbürger (3,9 Prozent). Der Großteil kommt aus den bevölkerungsstärksten Zuwanderergruppen Österreichs: Deutschland, Serbien, Türkei, Bosnien-Herzegowina und Kroatien. Hier muss man einen Unterschied hervorheben, denn laut Statistik Austria seien nur Erhebungen von "ausländischen Staatsbürgern" möglich. Daraus ergeben sich Diskrepanzen in der Statistik, etwa, dass mehr Verstorbene einer Bevölkerungsgruppe überführt werden als überhaupt versterben.
Die größte Einwanderergruppe in Österreich sind Deutsche. 777 deutsche Staatsbürger verstarben im vergangenen Jahr in Österreich. Wie viele Personen davon in Deutschland beerdigt wurden, wisse man nicht, da bei der Botschaft kein Leichenpass beantragt werden muss. Aufgrund der Nähe und der Sprache ist die Überführung unkompliziert. Von den im vergangenen Jahr 632 verstorbenen Serben wurden 384 in die alte Heimat überführt. Allein in Wien stellte die serbische Botschaft 306 Leichenpässe aus. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass sich immer mehr Menschen in Österreich beerdigen. Gegenüber dem Vorjahr sank die Zahl der überführten Verstorbenen (um 100 Personen) im Jahr 2012, obwohl die Zahl der Verstorbenen (um 50 Personen) höher war. Das Prozedere ist auch komplizierter. Eine Überführung nach Serbien muss von der serbischen Botschaft genehmigt werden, die aufgrund der für die Angehörigen am Herzen liegenden Bräuche serbische Bestattungsunternehmen beauftragen. Für den Wunsch eines Bestattungsfahrzeuges  müssen außerdem die entsprechenden Transitländer informiert werden. 
Im vergangenen Jahr hat die Botschaft Bosnien-Herzegowinas 289 Überführungen genehmigt. Laut Konsulat sei die Zahl der Überführungen wahrscheinlich deshalb höher als der Verstorbenen (284 Personen), weil ein Teil der überführten Personen keinen bosnischen Pass, sondern bosnische Wurzeln hatte. 
Einen deutlichen Rückgang (40 Prozent) weisen die Überführungen nach Kroatien auf. Die kroatische Botschaft stellte 2012 rund 75 Leichenpässe aus. Schätzungen der türkischen Botschaft zufolge wurden 2012 etwa 330 Überführungen in die Türkei organisiert, davon zwei Drittel aus Wien. Während in der Hauptstadt die Zahl der ausgestellten Leichenpässe leicht sank, stieg sie in Salzburg und Vorarlberg an. Dies mag zum einen an den zwei islamischen Friedhöfen und zum anderen an der Entfernung zur Türkei liegen, die einen Verstorbenen-Transport erschwert. Der Verein ATIB (Türkisch Islamische Union in Österreich) bietet einen Beerdigungsfonds an, der Kosten, rituelle und organisatorische Abwicklungen mit den Bestattern in der Türkei übernimmt. Etwa 20.000 Mitglieder nutzen diese Versicherung österreichweit.
Genehmigung für eine Überführung
Unabhängig davon, in welches Land die Überführung stattfinden soll, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt werden: Die Ausstellung eines internationalen Leichenpasses und eine internationale Sterbeurkunde. Das Land, in dem eine Person gestorben ist, regelt die Ausfuhrbestimmungen. Festgehalten wurden diese Richtlinien zum Verstorbenen-Transport in zwei Abkommen ("Internationales Abkommen über Leichenförderung" und "Europäische Übereinkommen über die Leichenförderung").