Warum sparen? - Der souveräne Umgang mit Geld will gelernt werden. - © fotolia
Warum sparen? - Der souveräne Umgang mit Geld will gelernt werden. - © fotolia

Wien. Wenn die Erwachsenen kein Geld mehr haben, gehen sie zum nächsten Bankomaten und holen sich wieder welches - das wird Kindern tagtäglich vorgelebt. Egal zu welcher Uhrzeit, ob in der eigenen Wohnumgebung oder im Urlaub: Die Automaten spucken jederzeit die begehrten bunten Scheine aus. In der Welt der Kleinen existieren noch keine Gehaltskonten, Mietvorschreibungen, Stromrechnungen oder Kreditraten.

Spätestens mit dem ersten Job und der ersten Wohnung stellt sich heraus, dass es doch nicht ganz so einfach ist mit dem lieben Geld. Dass man auf Dauer nicht mehr ausgeben kann, als man einnimmt, ist eine Binsenweisheit. Und dennoch scheint sie nicht bei allen anzukommen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 265.000 Österreicherinnen und Österreicher können ihre Rechnungen nicht pünktlich bezahlen. Jede fünfte zahlungsunfähige Person ist erst 30 Jahre alt oder jünger. Ein Viertel der jungen Verschuldeten hatte die ersten Schulden schon vor dem 18. Geburtstag, und zwei Fünftel aller Jugendlichen gelten als kaufsuchtgefährdet.

"Es besteht Handlungsbedarf", sagt Christian Aichinger, Präsident des Österreichischen Sparkassenverbands. Schulden machen dürfe nicht Schule machen. Die Sparkassen unterstützen mit Workshops und Unterrichtsmaterialien die Schulen, um Finanz- und Wirtschaftsthemen lebensnah in die Klassenzimmer zu bringen. Volksschüler etwa lernen, woher das Geld kommt und was sie damit tun können, warum es den Euro gibt und wie Angebot und Nachfrage zusammenspielen. Bei den Jugendlichen liegen Schwerpunkte auf Haushaltsplanung, Schuldenprävention, Kostenkontrolle beim bargeldlosen Bezahlen und Kreditarten. Die Sparkassengruppe arbeitet bei ihrer Initiative mit den Fachdidaktikern Johannes Lindner und Gerald Fröhlich sowie dem Lehrer und Schuldnerberater Stefan Schmid zusammen.

Financial Literacy sei den Sparkassen ein echtes Anliegen, betont Aichinger. Es gehe keineswegs darum, "kleine Kinder einzufangen und zu Kunden zu machen", sondern dem Nachwuchs den souveränen Umgang mit Geld beizubringen.

Etwa 40.000 Kinder und Jugendliche erreichen die Sparkassen-Schulreferenten im Jahr - laut Aichinger viel zu wenige. Er will die Schulen in die Pflicht nehmen und fordert eine Reform des Wirtschaftsunterrichts. Dieser hat laut Herbert Pichler vom Fachdidaktikzentrum für das Unterrichtsfach Geografie und Wirtschaftskunde der Universität Wien oft nur wenig mit der Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler zu tun. "Die Wirtschaftsbildung muss sich am Leben der Kinder orientieren", fordert er. Ihnen Formeln und Fakten einzubläuen, führe bestenfalls zu Wirtschaftswissen, jedoch nicht zu Finanzbildung und zur Fähigkeit, praktische Probleme lösen zu können. "Guter Wirtschaftsunterricht geht von der Lebenswelt der Schüler aus und macht sie selbst zu Akteuren", betont Pichler. Manchen Lehrern würden jedoch die Grundlagen fehlen, den Unterricht so zu gestalten, dass die Schüler eine Verbindung zu ihrem Alltag herstellen und das Erlernte später praktisch anwenden könnten. Pichler fordert, dass die wirtschaftliche Bildung in die "PädagogInnenbildung Neu" einfließt, in deren Rahmen die Lehrpläne der Lehramtsstudien überarbeitet werden.

Anlegerschützer gehen in die Schulen

Ein Schulprojekt gestartet hat auch der Interessenverband für Anleger (IVA). IVA-Vorstand Florian Beckermann diskutierte im Rahmen des Freifachs Wirtschaftskunde mit Achtklässlern eines Wiener Gymnasiums, weitere Schulbesuche sind geplant.

"Die Jugend wächst im Großen und Ganzen im Wohlstand auf, Geld ist kein Thema. Die Jugendlichen sollten aber jetzt schon wissen, was auf sie zukommt, etwa in puncto Pensionen", betont IVA-Präsident Wilhelm Rasinger. Mit allzu viel Finanzwissen sollten die jungen Leute allerdings nicht überfrachtet werden. Vielmehr sollten Experten sie mit den wichtigsten Zusammenhängen im Wirtschaftsleben vertraut machen. Zu den "Basics" zählt Rasinger etwa das Wissen, wie Zinsen und Inflation zustande kommen, oder dass die Banken mit den Spareinlagen Kredite vergeben. Und nicht nur Jugendlichen empfiehlt Rasinger, den Hausverstand öfter einzusetzen: Von Finanzprodukten, die man nicht versteht, sollte man die Finger lassen.