Berlin. Mehr als zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung Deutschlands ist die Abwanderung aus dem Osten des Landes gestoppt. Erstmals zogen 2012 ungefähr genau so viele Menschen aus dem Gebiet der früheren DDR in den Westen wie umgekehrt. Das geht aus dem "Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit" vor, über den das Kabinett am Mittwoch beriet.

Der Osten werde in den kommenden Jahren trotzdem sehr von Alterung und Schrumpfung betroffen sein. Wirtschaftlich sind die östlichen Länder - trotz einiger Fortschritte - nach wie vor im Rückstand.

Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 waren vor allem wegen der schlechten Wirtschaftslage über Jahre viele Menschen aus dem Osten weggezogen, und die Geburtenzahlen brachen ein. In Ostdeutschland sank die Einwohnerzahl zwischen 1990 und 2012 um 13,5 Prozent. Gegenwärtig leben nur noch knapp 13 Millionen der insgesamt mehr als 80 Millionen Einwohner der Bundesrepublik Deutschland in einem der fünf östlichen Länder.

Die verbesserte wirtschaftliche Situation und die bessere Lage auf dem Arbeitsmarkt hätten nun jedoch dazu beigetragen, die Abwanderung weitgehend aufzuhalten, heißt es im Bericht. Auch die Geburtenrate entwickle sich positiv und liege seit einigen Jahren über dem westdeutschen Niveau.

Langsame Angleichung an Westen

Bei der Wirtschaftsentwicklung Ostdeutschlands geht laut Bericht etwas weiter. Die Angleichung an das westdeutsche Wirtschaftsniveau habe sich zuletzt aber verlangsamt.

Das Bruttoinlandsprodukt der ostdeutschen Länder pro Einwohner ist in den vergangenen Jahren zwar gestiegen, liegt mit 71 Prozent aber noch immer deutlich unter dem Westniveau. Die Löhne und Gehälter im Osten haben sich zuletzt nur leicht erhöht und erreichen etwa 80 Prozent der westdeutschen Gehälter. Auch bei den Pensionen gibt es weiterhin Unterschiede.

Die Arbeitslosigkeit fiel 2012 auf den niedrigsten Stand seit 1991. Die Quote in den östlichen Ländern war im vergangenen Jahr mit 10,7 Prozent aber noch fast doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller westlichen Bundesländern.