Geheimdienste involviert

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BVT) führte im Jahr 2010 eine Studie zum Thema Wirtschaftsspionage in Österreich durch. Ein Drittel der befragten Unternehmen gab vor drei Jahren an, bereits Opfer von Wirtschafts- und Industriespionage geworden zu sein. Als Interessenten an kritischen Unternehmensinformationen gaben 74 Prozent der Befragten die inländische Konkurrenz an. Ausländische Mitbewerber sahen zwei Drittel an zweiter Stelle. Ausländische staatliche Organisationen (Nachrichtendienste) wurden 2010 nur von fünf Prozent der österreichischen Betriebe als Gefahrenquelle erkannt. Aktuellere Zahlen gibt es nicht.

Burger-Scheidlin erläutert, dass staatliche Nachrichtendienste hauptsächlich an Firmen interessiert sind, wenn diese über militärisch interessante Produkte verfügen oder es sich um größere Unternehmen mit Schlüsseltechnologien handle. "Große Nachrichtendienste - seien es die der USA, Frankreichs, Russlands oder Chinas, um nur einige zu nennen - machen selbstverständlich im Interesse ihrer Schlüsselindustrien zuhause auch Industriespionage." Es gebe immer Unternehmen, die "das Vertrauen der Mächtigen genießen" oder wichtige Arbeitgeber seien und davon profitieren.

Grundsätzlich könne jede Firma davon ausgehen, dass ihre externe Kommunikation bereits irgendwo abgespeichert liege. "Was wir nicht wissen, ist, wann sich ein Dienst für eine Firma zu interessieren beginnt", sagt Burger-Scheidlin. Auf die Frage, wie oft sich bei ihm schon Unternehmen beklagt haben, dass ein ausländischer Geheimdienst in ihren Systemen war, meint er nur: "Das kommt durchaus vor."