Wien. Die Zahl der Mindestsicherungsbezieher ist im Vorjahr deutlich gestiegen. 221.341 Personen bezogen 2012 Mindestsicherung - 15 Prozent mehr als noch 2011. Die Ausgaben der Bundesländer stiegen sogar um 22,9 Prozent auf 539,7 Millionen Euro. Für das Sozialministerium ist das keine Überraschung: Man liege im erwarteten Rahmen. Denn bei der Umstellung von der Sozialhilfe 2010 rechnete man mit einem Plus um 30 Prozent.

Offensichtlich werde die Bedarfsorientierte Mindestsicherung im erwarteten Ausmaß angenommen. Dass der Zuwachs noch im zweiten Jahr sehr hoch war, erklärte ein Sprecher des Sozialministers gegenüber der APA damit, dass offensichtlich der Bekanntheitsgrad der neuen Sozialunterstützung noch gewachsen sei. Gut genützt werde jetzt auch die Möglichkeit einer "kleinen Aufstockung" zu einem geringen Einkommen.

Aus der Sicht des Sozialministeriums ein Fortschritt ist, dass seit der Einführung im September 2010 bis zum September 2013 55.000 Bezieher in den Arbeitsmarkt integriert werden konnten. Denn für die Bedarfsorientierte Mindestsicherung ist Arbeitswilligkeit Voraussetzung.

57 Prozent der Bezieher leben in Wien - obwohl dort nur 20 Prozent der Bevölkerung wohnen. Erklärt wird das einerseits damit, dass in der anonymen Großstadt eher ein Antrag auf Mindestsicherung gestellt wird als am Land, wo man einander kennt. Andererseits gibt es in ländlichen Gebieten mehr Eigenheimbesitzer - hier haben viele Angst, ihr Haus zu verlieren. Allerdings trägt sich das Sozialamt erst nach sechs Monaten ins Grundbuch ein. Die durchschnittliche Bezugsdauer sind acht Monate.

Die Bedarfsorientierte Mindestsicherung wurde 2010 eingeführt, um die zuvor von den Ländern sehr unterschiedlich ausgestaltete Sozialhilfe zu homogenisieren. Jetzt ist ein Mindestniveau in Höhe der Ausgleichszulage vorgegeben. Alleinstehende und Alleinerziehende bekommen 794,91 Euro pro Monat. Paare zusammen 1192,37 Euro. Pro Kind gibt es monatlich 143,08 Euro, ab dem vierten Kind 119,24 Euro. In Wien gibt es pro Kind 214,63 Euro.