Wien. Nun drohen die Schüler mit Streik, aber anders als die Lehrer revoltieren sie nicht gegen das neue Lehrerdienstrecht, sondern gegen die Zentralmatura. Zwei Jahre vor der Einführung der neuen Reifeprüfung klagen sie über viele negative Schularbeitsergebnisse.

Der Hintergrund: Viele Lehrer an höheren Schulen haben die Schularbeiten in den 7. Klassen bereits an das neue System angepasst. In Mathematik sind die Tests damit in einen leichteren und einen darauf aufbauenden, schwierigeren Teil gegliedert. Nur wer mindestens 50 Prozent des ersten Teils richtig löst, kann insgesamt eine positive Note erreichen. "Wir sind 19 Schüler in der Klasse, und bei der letzten Schularbeit waren nur drei von uns positiv. Früher war es umgekehrt", erzählt Kathi Steger. Sie besucht die 7. Klasse des Diefenbachgymnasiums in Rudolfsheim-Fünfhaus und sagt, ihre Klasse fühle sich "total ungerecht behandelt und verunsichert." Die Zentralmatura ist an ihrer Schule zum zentralen Thema geworden, viele Lehrer versuchen zu beruhigen und sagen, die Matura werde "viel einfacher". Doch die Schüler befürchten, sie werden mit dem neuen Bewertungsschema gar nicht bis zur Matura kommen.

"Bedauerliche Einzelfälle"

"Das sind bedauerliche Einzelfälle", sagt Peter Simon, Leiter der Abteilung für standardisierte Reifeprüfungen am Bifie, und auch seitens des Unterrichtsministeriums heißt es: "Wir sind jedem Fall nachgegangen, eine Schularbeit mit vielen Fünfern war ein extremer Einzelfall eines Lehrers, der die Richtlinien sehr missverstanden und sich sehr wenig informiert hat." Simon sieht das ganze ebenfalls als "Lehrer-Problem", einige von ihnen hätten in "vorauseilendem Gehorsam" agiert. Denn die Schularbeiten müssen sie nicht wie die Zentralmatura benoten. Er vermutet, dass viele Lehrer schlecht informiert waren, "obwohl es viele Fortbildungsangebote gegeben hat". Er deutet an, dass diese zu wenig genutzt wurden und die Lehrer dadurch Probleme hatten, den ersten Teil einfacher zu gestalten als den zweiten. "Das kann ich so nicht unterschreiben", sagt Steger. Sie beschreibt ihre Mathematiklehrerin als "sehr engagiert, aber sie hatte viel zu wenig Zeit und ist nicht informiert worden". Das Unterrichtsministerium startet nun eine neue Info-Offensive.

Unterdessen hat sich Widerstand im Internet formiert: Facebook-Seiten wie "Zentralmatura, nein danke" haben rund 50.000 Likes. Für Simon handelt es sich vor allem um ein Problem im Wiener Raum, das Bifie hat in den Wiener Schulen um Schularbeitsergebnisse angefragt, um das Ausmaß einschätzen zu können - bisher hätte es allerdings kaum Rückmeldung gegeben.

Frist bis 6. Dezember

Bundesschulsprecherin Angi Groß von der ÖVP-nahen Schülerunion fordert vom Unterrichtsministerium bis 6. Dezember eine Lösung, verlangt unter anderem mehr als zwei Wochen Abstand zwischen schriftlicher und mündlicher Matura, und bei der Englischmatura soll ein Wörterbuch verwendet werden dürfen.