Wien. (zaw) Die frühere ORF-Generaldirektorin Monika Lindner hat am Mittwoch ihren Rücktritt als Nationalratsmandatarin erklärt. Dass sie das Mandat annahm, obwohl sie vor der Wahl ihren Verzicht erklärt hatte (was zu diesem Zeitpunkt allerdings rechtlich nicht mehr möglich war), hat für reichlich Diskussionsstoff gesorgt. Nun zog die 69-Jährige die Reißleine.

"Humanitäre und soziale Anliegen stehen seit vielen Jahren im Zentrum meines beruflichen und privaten Engagements. Ein effizienter Einsatz für eben diese Themen im Parlament ist aufgrund der gezielten, gegen mich geführten Kampagne nicht mehr möglich", begründet Lindner in einer Aussendung ihre Entscheidung.

Am 12. August war Lindner als Kandidatin für das Team Stronach präsentiert worden. Drei Tage später zog sie ihre Kandidatur zurück, nachdem der damalige Klubobmann Robert Lugar erklärt hatte, man wolle sie als "Speerspitze" gegen ORF, Raiffeisen und ÖVP Niederösterreich einsetzen. Allerdings konnte man sie zu dem Zeitpunkt nicht mehr von der Liste streichen.

Ein Sturm der Entrüstung

Als Lindner zwei Wochen nach der Wahl bekannt gab, dass sie das Mandat als freie Abgeordnete annehmen werde, brach ein Sturm der Entrüstung los. SPÖ und Grüne sprachen von "Wählertäuschung", die FPÖ von "Mandatsraub". Der Boulevard machte fröhlich mit. Allerdings war es der "Falter", der Lindners Vergangenheit genauer unter die Lupe nahm und dabei auf Ungereimtheiten stieß. So soll sie als Vorstandsmitglied der St. Anna Kinderkrebsforschung der Werbeagentur ihres Lebenspartners lukrative Aufträge zugeschanzt haben. Ähnlich soll es bei ORF-Aufträgen zugegangen sein. Von Freunderlwirtschaft war die Rede.

Der ORF kündigte eine Prüfung aller Auftragsvergaben unter Lindner, die zwischen 1998 und 2006 Generaldirektorin war, an. Die FPÖ zeigte sie schließlich wegen des Verdachts der Untreue an. Lindner wies alle Vorwürfe stets zurück. Nun wurde ihr das "Lindner-Bashing" offenbar zuviel. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer wurde "in einem persönlichen Gespräch" über den Schritt informiert.

Das Mandat der "wilden" Abgeordneten Lindner geht damit an das Team Stronach zurück. Im Nationalrat dürfte nun Ex-Miss-World Ulla Weigerstorfer Lindners Platz einnehmen. Damit umfasst der Klub des Teams künftig elf Personen, was zusätzlich Klubförderung von 46.228 Euro bringt. Parteichef Frank Stronach nahm Lindners Rückzug erfreut zur Kenntnis. "Ich wünsche Monika Lindner für ihre Sozialprojekte und für ihre persönliche Zukunft alles Gute", ließ er in einer knappen Aussendung ausrichten.