Nicht unterkriegen lassen

Eine berichtet, sie sei mitsamt der Mutter vom Vater hinausgeworfen worden, finde jedoch in ihren Büchern ihr neues Zuhause. Einer erzählt, wie er schon seit frühester Kindheit mit Krebs fertig werden musste, ein anderer berichtet von Drogen und Sucht. Manche schildern, wie schwer es ihren Eltern fiel, nach Österreich zu kommen und sich in der neuen Umgebung einzuleben. Manche bezeugen, was es bedeutet, sein Geburtsland gegen den eigenen Willen verlassen zu müssen. Einer lässt uns gar wissen, sein Opa sei im Gefängnis, und er verschweigt nicht das Verbrechen, nicht die Schwierigkeiten, mit denen die Seinen seither zu kämpfen hatten, doch führt er ebenso aus, wie es sein Vater dennoch schaffte, sich hier eine Existenz aufzubauen. Manche beklagen die Ressentiments, auf die sie stoßen, aber sie erklären gleichzeitig, sich davon nicht unterkriegen zu lassen.

Es sind Geschichten, die mich fangen und nicht loslassen, weil sie so reichhaltig und vielseitig sind. Kein Text gleicht dem anderen, doch wer sie hintereinander liest, merkt, wie die verschiedenen Fäden ineinander laufen und ein neues, buntes Gewebe ergeben, ein Mosaik einer offeneren Gesellschaft, ein Stückwerk aus Geistesgegenwart und voll Zukunft. Es ist ein Fleckerlteppich für ein besseres Österreich.

Info

"Wir in Wien. Berichte aus Margareten und der
Donaustadt"

ist ab 16. Dezember erhältlich. Der Band entstand im Rahmen des Projekts "WIR. Berichte aus dem neuen OE." Fünf weitere Bände sollen folgen.