Wien/Berlin. Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) möchte offenbar nicht auf Dauer Berufspolitiker bleiben. In einem Interview mit dem deutschen Massenblatt "Bild" (Montagsausgabe) antwortete der 27-Jährige unter dem Titel "Hier spricht Europas jüngster Außenminister" auf die Frage, wo er sich in zehn Jahren sehe: "Nicht in der Politik."

"Sie ist für mich ein Lebensabschnitt, der mir viel Freude macht. Für mich ist es definitiv das Richtige, eine Zeit lang Politik zu machen, mit viel Energie und Ausdauer, aber eben nicht ein Leben lang", präzisierte Kurz, der hinzufügte: "Ich möchte auf jeden Fall noch etwas in der Privatwirtschaft unternehmen. Und in einer großen Nichtregierungs-Organisation arbeiten."

Merkel und Genscher als Vorbilder
"Bild" beschrieb Kurz als Bewunderer von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP). Zur Herausforderung, mit 27 Jahren Außenminister zu werden, sagte Kurz: "Wenn man jünger ist, dann ist sie sicher größer. Wichtig ist zu wissen, was man mitbringt - und was nicht. Ich bringe weniger Erfahrung mit als die Kollegen, dafür aber viel Energie, Begeisterung und vielleicht auch die Fähigkeit, die Dinge unter einem anderen Blickwinkel zu sehen. Etwa, dass man zwar für die EU sein, diese aber trotzdem kritisch hinterfragen kann."

Die Angst, nicht ernst genommen zu werden, hat Kurz laut dem "Bild"-Interview nicht: "Ich war zuvor zwei Jahre Staatssekretär für Integration. Daher weiß ich: Ernst genommen wird man, wenn man etwas will, argumentieren kann und dafür Unterstützer findet. Gerade in der Außenpolitik sind die Akteure gewohnt, mit den unterschiedlichsten Personen in Kontakt zu kommen. Es würde mich wundern, wenn gerade sie Probleme im Umgang mit einem 27-jährigen Kollegen hätten."