Wien. (zaw) Der Streit um die Schaffung von Modellregionen für die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen wird zur Belastungsprobe für die ÖVP. Nach der "Westachse" (Vorarlberg, Tirol, Salzburg) will auch die steirische Volkspartei die Möglichkeit, die Gesamtschule in bestimmten Regionen (Vorarlberg will sogar das gesamte Bundesland als Testgebiet) zu erproben. Auch die Wiener ÖVP kann sich Modellregionen vorstellen. Dort gäbe es dann keine AHS-Unterstufe mehr, sondern nur noch Neue Mittelschulen (NMS).

ÖVP-Chef Michael Spindelegger hat solchen Wünschen mit einem "Ich bin ja nicht das Christkind" eine Absage erteilt. Hinter ihm stehen in dieser Frage Ober- und Niederösterreich, Kärnten und der Seniorenbund. Dessen Obmann Andreas Khol erklärte am Freitag vor Journalisten, die Debatte sei ein "Ausbruch der Irrationalität".

Die Grünen wollen die Diskussion für einen parteiübergreifenden Entschließungsantrag im Nationalrat nützen und sprechen von einer "historischen Weichenstellung". Bildungssprecher Harald Walser lud vor allem die Vorarlberger ÖVP-Abgeordneten ein.

Einfach, radikal
oder mühsam

Für diese winkte der Zweite Nationalratspräsident Karlheinz Kopf ab. Eine Gesetzesänderung sei weder erforderlich noch sinnvoll. Tatsächlich wäre es jedoch die einfachste Variante, um Modellregionen einzuführen. Dazu bräuchte es nur eine Änderung des Schulorganisationsgesetzes. Mit einfacher Mehrheit könnte jener Passus in Paragraf 7a geändert werden, wonach es für Modellversuche der Zustimmung von zwei Drittel der Eltern und Lehrer bedarf.

Die radikalere Variante wäre, die AHS-Unterstufe gleich abzuschaffen. Dazu bräuchte es im Parlament eine Zweidrittelmehrheit. Genau genommen wäre es dann aber keine Modellregion mehr, sondern Standard.

Die dritte Möglichkeit - und die empfiehlt Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek dem Vorarlberger Landeshauptmann - ist die mühsamste: Wallner könnte auch zu seiner Modellregion Vorarlberg kommen, indem er jeweils zwei Drittel der Eltern und Lehrer aller zehn Gymnasien mit Unterstufe im Ländle davon überzeugt, einem Modellversuch zuzustimmen. Die Chancen dafür sind allerdings nicht gut. Zwar sind in Vorarlberg alle Parteien für die Gesamtschule - oder zumindest für die Modellregion -, allerdings hat sich nicht eine AHS am Schulversuch zur Neuen Mittelschule beteiligt. Österreichweit sind es nur elf Standorte, wo AHS-Unterstufen zu NMS wurden.