Wien. Am Dienstag versammelt sich die neue Bundesregierung zu ihrer ersten Klausur, als Kulisse dient das durchaus malerische Mostviertler Städtchen Waidhofen an der Ybbs. Nach dem, nun ja, nennen wir es verhatschten Start des Kabinetts Faymann II ist dies die erstbeste Gelegenheit, die skeptische Öffentlichkeit eines Besseren zu belehren.

Wie fast immer bei solchen Anlässen werden wohl auch kommende Woche die Bilder im Vordergrund stehen; epochale Entscheidungen werden selten in solchem Rahmen verkündet, es geht um eine Meta-Botschaft: Seht her, wir arbeiten zusammen, wir sind ein Team, also vertraut uns gefälligst auch. Oder so ähnlich jedenfalls. Gesagt und beteuert wurde das ja schon gefühlte tausendundein Mal, nur so wirklich glauben will die verkündete Botschaft das Publikum nicht. Also muss die neue alte rot-schwarze Koalition Überzeugungsarbeit leisten.

Am leichtesten ginge dies natürlich durch eindeutige Taten. Die sprechen bekanntlich für sich selbst. Wenn das jedoch so leicht wäre, dann hätten es die Regierung und ihre zahlreichen Vorläufer gleicher Konstellation schon längst gemacht. Parteien sind zwar schon auch Inszenierungsdilettanten, mitunter sogar von erstaunlichem Geschick, aber in Österreich doch noch zuallererst Anwälte hoch unterschiedlicher Klientelgruppen, und das ist gar nicht so kritisch gemeint, wie der Begriff Klientel in vielen Ohren mittlerweile klingt.

Bilder besitzen Eigenleben

Also müssen starke Bilder her, nicht solche von grauen Mäusen in grauen Anzügen, sondern mit kräftigen Farben in freier Natur, wo die Sonne lacht und das Amt vergessen ist. Diese Bilder sollten natürlich von Energie erzählen, von Tatkraft, Gemeinschaftssinn; dass da, wenn schon nicht 16 Freunde, so doch zumindest von zwei Teams am Werk sind.

Das Tolle an Bildern ist, dass sie ein Eigenleben besitzen, ein ziemlich langlebiges noch dazu. Worte sind - das wissen Politiker schon, seit es ihre Profession gibt - bloß Schall und Rauch im Vergleich zur Wirkmächtigkeit eines starken Abbildes, sei es in Stein gehauen, auf Papier gedruckt oder in den unendlichen Weiten des Social Web schwebend. Das alles gilt natürlich im Guten wie im Schlechten. Nichts klebt einem hartnäckiger am Schuhabsatz als ein Bild von ikonografischer Qualität, aber negativer Botschaft.

Schwarz-Blau war damit in besonderer Weise konfrontiert. Zum einen versuchten ÖVP und FPÖ wie kein Kabinett vor ihnen, das Lehrstück vom "neuen Regieren" bildmächtig in Szene zu setzen. Wolfgang Schüssel und seine wechselnden Partner besuchten deshalb in trauter Gemeinsamkeit im Mai 2000 den Zoo in Schönbrunn, radelten im Juni durchs Marchfeld und packten im September 2009 bei der Weinlese in Retz selbst mit an. Die Fotografen drückten beglückt auf die Auslöser - solche Inszenierungen der guten Laune waren neu in der langen Koalitionsgeschichte der Zweiten Republik, insbesondere nach den Eiszeitjahren der großen Koalition in den 90er Jahren.

Schwarz-Blau bekam aber auch die pralle negative Kraft ausdrucksstarker Bilder zu spüren: die Miene Bundespräsident Klestils bei der Angelobung in der Hofburg, zu der die Regierung wegen der aufgebrachten Demonstranten nur unterirdisch gelangen konnte; oder Schüssel und Haider zusammen im blauen Porsche - am Steuer nicht der Kanzler, sondern der Kärntner Landeshauptmann. Tatsächlich sind es in erster Linie diese Bilder, die im kollektiven Gedächtnis abgerufen werden, wenn die Sprache auf die bis heute heftig umstrittene schwarz-blaue Regierung kommt.

Zuprosten oder Sporteln?

Bleibt die Frage, in welchen Bildern Werner Faymann und Michael Spindelegger den Bürgern ihren Neuanfang vermitteln werden: Ein biederes Plagiat jener Sujets der schwarz-blauen Ära würde eher kontraproduktiv aufgenommen werden. Gleichzeitig ist das Repertoire der politischen Bildsprache in der kleinen österreichischen Regierungswelt beschränkt: Gemeinsam wandern? Hat die Welt schon x-mal gesehen. Zuprosten beim Heurigen? Ist das ureigenste Hoheitsgebiet von Pröll und Häupl. Vielleicht ein Tennismatch? Wäre sportlich und dynamisch, allerdings muss es dabei auch einen Sieger und Verlierer geben und fällt daher aus. Am Ende müssen es wahrscheinlich diesmal doch die Taten richten, einfach weil alle guten Bilder schon vergeben sind.