Vordernberg. Das umstrittene neue Anhaltezentrum im obersteirischen Vordernberg ist am Mittwoch von einer Demonstration begleitet offiziell eröffnet worden. Kommende Woche sollen die ersten Schubhäftlinge in die Räumlichkeiten einziehen. Für Diskussion hatte im Vorfeld nicht nur die Standortauswahl sondern auch die Zusammenarbeit mit einer privaten Sicherheitsfirma gesorgt.

Konrad Kogler, Generaldirektor für öffentliche Sicherheit im Innenministerium, sprach vom "letzten Schritt der Bauphase" und dem "ersten Schritt ins Leben" des Anhaltezentrums. Er lobte Bürgermeister Walter Hubner (SPÖ) und die Vordernberger: "Sie haben sich Applaus verdient." Beispielhaft habe es das Gemeindeoberhaupt seit 2009 geschafft, seine Bürger vom Zentrum zu überzeugen. Bei einer entsprechenden Bürgerbefragung hatten sich 70 Prozent dafür ausgesprochen.

Argument Arbeitsplätze überzeugte Gemeinde

Überzeugt haben dürfte die Arbeitsmarktsituation. Im Vordernberger Zentrum arbeiten 55 Exekutivbeamte und 68 private Sicherheitsleute von G4S. "Es bringt mehr als 180 neue Arbeitsplätze durch Umwegrentabilität sowie 13 Millionen Euro Wertschöpfung", sagte Kogler. Hubner führte in seiner Ansprache eine Reihe von Hürden an, welche die Gemeinde unerwartet gefordert hätten: "Ein Ameisenhaufen spielte im naturschutzrechtlichen Verfahren eine Rolle. Ein 'Ameisenbeauftragter' kümmerte sich im Zuge des Baus um die Verlegung eines Ameisenhaufens." Dennoch sei alles eingetreten, was er 2009 den Bürgern versprochen habe, vor allem die Bedeutung für die Region in punkto Arbeitsmarkt.

Landesrat Johann Seitinger (ÖVP) kommentierte den Hürdenlauf mit: "Wenn der Teufel Junge hat, hat er viele". Er zeigte Verständnis dafür, dass das neue Gebäude "Herd für Missverständnisse" sein könne, doch keinesfalls sollte man deswegen Österreich als "goldene Brücke für Asylmissbrauch" sehen. Er meinte, dass ethnische und menschliche Spannungen im Anhaltezentrum zu erwarten seien, doch die Polizei sei gut vorbereitet.

Protestaktion gegen "Unmenschlichkeit in Schubhaft"

Anders sahen das wohl rund 20 Demonstranten, die pünktlich zur Eröffnung vor dem Eingang mit Trillerpfeifen und Transparenten Stellung bezogen. Die Gruppe wollte auf die "Unmenschlichkeit des Systems Schubhaft" aufmerksam machen und plakatierten "Schubhaft in Vordernberg, Scheiße schön verpackt". Zudem warfen sie einen bisher nicht näher definierten pyrotechnischen Gegenstand in die Sicherheitsschleuse, der dort explodierte. Verletzt wurde niemand. Am Einfahrtstor war neben roten Farbflecken zu lesen "G4S = Mörder".