Wien. Die Neue Mittelschule war, als sie im Jahr 2008 das Licht Österreichs erblickte, erstens ein Schulversuch und zweitens ein Kompromiss. Die SPÖ war mit ihrem Bestreben, die Gesamtschule umzusetzen eben nur bis zur Neuen Mittelschule gekommen, weiter nicht.

Im Jahr 2012 lief der Schulversuch allerdings aus, die Evaluierung wird jedoch erst im Mai 2015 veröffentlicht. Die Neue Mittelschule ist derweil zur Regelschule geworden, bis 2016 soll diese Form, bei der es kleinere Klassengrößen und Teamunterricht gibt, die Hauptschule komplett ersetzt haben.

Für Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, einst selbst Lehrer und nun Direktor an einem Gymnasium in Feldkirch, ist das kein positiver Blick in die Zukunft. Die Grünen haben sich mittlerweile zu strikten Gegnern der Neuen Mittelschule gewandelt, wobei Walser diese Schulform ohnehin nie weit genug ging. Er plädiert für eine spätere Trennung, nicht eine ab zehn Jahren wie derzeit.

"Fataler Fehler"

Am Donnerstag nannte Walser die Neue Mittelschule sogar "bildungspolitische Hypo Alpe Adria", er fordert eine raschere Evaluierung der NMS. Der Notendruck in der Volksschule sei weiter groß, das System teuer und die Schülerleistung nicht besser, erklärte Walser.

Für ihn war es ein "fataler Fehler" der Regierung, vor zwei Jahren gegen den Widerstand der Grünen eine flächendeckende Umwandlung der Neuen Mittelschule in Hauptschulen zu beschließen, ohne die Evaluierungsergebnisse zur neuen Schulform abzuwarten.

Walser verwies auch auf die Kritik des Rechnungshofs im Vorjahr, der kaum ein gutes Haar an der neuen Regelschule gelassen hatte. Die Kosten pro Schüler, berechnete das Prüfamt, würden mehr als 50 Prozent über den Kosten in der AHS-Unterstufe liegen. "Die Evaluierung muss umgehend erfolgen", sagt Walser. Außerdem müssten die Daten durch das zuständige Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) für andere Forscher offengelegt werden. Die Ergebnisse, so hofft er, würden dann jene Kreise in der ÖVP stärken, die einer Gesamtschule nicht abgeneigt sind.

Nur Kinderkrankheiten?

In den westlichen, ÖVP-regierten Bundesländern ist der Wunsch nach zumindest Modellregionen für die Gesamtschule auch in den Landesregierungen ausgeprägt, die SPÖ-geführten Länder wären ohnehin dafür zu haben. Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hatte auch gleich nach Abschluss der Regierungsverhandlungen auf Modellregionen gedrängt, ebenso Landeshauptleute aus dem Westen. Die Diskussion wurde allerdings rasch von ÖVP-Parteichef Michael Spindelegger abgedreht.

Bei der Neuen Mittelschule ortet Heinisch-Hosek lediglich "Kinderkrankheiten", wie sie sagt, für Walser ist das unverständlich. Für ihn handelt sich schlicht um einen "Systemfehler": Die Regierung habe sich auf Druck der ÖVP vom Ziel verabschiedet, die Bildungsentscheidung von zehn auf 14 Jahre zu verschieben.

Der Status quo: Die Neue Mittelschule koste pro Jahr um 550 Millionen Euro mehr als die AHS, während die Leistungen von NMS-Schülern etwa bei den Bildungsstandardtestungen nicht besser als jene von Hauptschülern waren.