Wächst mit dem Bildungsstatus auch das Umweltbewusstsein oder ist das kulturell bedingt?

Es gibt tatsächliche etliche Studien, die zeigen, dass besser gebildete Menschen geistig flexibler sind und eher bereit sind, ihre Konsummuster zu ändern. Das gilt etwa für die Bereitschaft, auf Öffis umzusteigen. Gleichzeitig können wir nicht erwarten, dass dieser Wertewandel von heute auf morgen passiert. Gerade in den Ländern Ostasiens, die noch vor einigen Jahrzehnten sehr arm waren und wo die meisten Menschen sich kein Fleisch leisten konnten, gilt dies gerade deshalb als Zeichen von Wohlstand und Erfolg. Und wenn sie dann reicher werden, dann wächst natürlich der Fleischkonsum rapide.

Wie viele Einwohner wird Österreich 2030 haben?

Dank Zuwanderung nimmt die Bevölkerung weiter zu, von derzeit 8,4 Millionen auf vermutlich rund 9 Millionen im Jahr 2030. Es hängt davon ab, wie sich die Wanderung weiterentwickelt. Wien zeigt den stärksten Zuwachs und wird 2030 voraussichtlich zwei Millionen Einwohner haben.

Jedes zweite Kind, das in Wien geboren wird, hat migrantischen Hintergrund. Wie geht das weiter?

Migranten aus weniger entwickelten und daher weniger gebildeten Regionen hatten schon immer höhere Geburtenraten. Das war schon in der Monarchie so. Die zweite Generation ist in ihrem Verhalten dann schon deutlich weniger unterschiedlich. Und in der dritten Generation sind die Geburtenraten dann oft schon ganz gleich. Momentan sind die meisten Zuwanderer Deutsche.

Was kann man gegen die großen weltweiten Unterschiede bei der Geburtenrate tun?

Diese sind Folge dessen, dass die Gesellschaften in unterschiedlichen Phasen des sogenannten demografischen Übergangs sind. Zuerst sinken die Sterberaten und dann mit einer Verzögerung die Geburtenraten. Bei uns lief dieser Prozess im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ab; in Ostasien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und Afrika ist mitten drin. Der Rückgang der Geburtenraten kann durch Bildung der Mädchen in Kombinaten mit
(rein freiwilliger) Familienplanung deutlich beschleunigt werden.

Besser gebildete Frauen haben weniger Kinder, als sie es sich eigentlich wünschen - warum?

Weil Beruf und Familie nicht gut vereinbar sind. Daraus ergibt sich eine ganz klare Forderung an die Politik, die auch die Männer miteinbeziehen muss. Der Blick nach Nordeuropa zeigt klar, dass bessere Vereinbarkeit und mehr Einbindung der Männer es jungen Paaren besser ermöglicht, ihren Kinderwunsch zu erfüllen.