Da haben Sie völlig recht, ich glaube aber, dass sich zumindest die Austrian Economics theoretisch sehr wohl weiterentwickelt haben. Man muss Hayeks Schule als ideologisches Fundament betrachten, bei der die persönliche Freiheit, das Leistungsprinzip, Wettbewerb und Eigenverantwortung die Basis für alles wirtschaftliche Handeln sind. Darauf baut alle Theorie auf, aber wir verfügen eben über keine vollständige Information.

War es also vielleicht doch richtig, im Zuge der Krise die Geldmenge aufzublasen, obwohl Sie das stets verteufelt haben?

Wir können nicht in die Zukunft schauen.

Das hört man selten von professionellen Welterklärern.

Es ist aber so. Ich hätte mir vor drei Jahren auch nicht gedacht, dass wir heute noch den Euro in dieser Form haben.

Dieses Fehlurteil teilen Sie mit dem prominenten linken Ökonomen Paul Krugman.

In dieser Frage lagen noch viele andere Experten daneben. Ich habe schlicht die Macht der Politiker in Europa unterschätzt. Es war ein genialer Schachzug Angela Merkels, das Schicksal des Euro mit dem Schicksal Europas zu verknüpfen.

Sind Sie nicht immer wieder überrascht, wie ein - in Ihren Augen - so völlig verfehlter Staatsaufbau ein so wohlhabendes, lebenswertes Land hervorbringen kann? Die Länder, die Sie als Vorbild hinstellen - Honduras, Chile, Singapur - können da nicht mit.

Das denke ich mir tatsächlich immer wieder, obwohl man diese Länder nicht unterschätzen darf. Warum es uns noch immer so gut geht, liegt an unserer Mentalität und den erfolgreichen kleinen und mittleren Unternehmen.

Das Burgtheater ist in wirtschaftlicher Schieflage. Würden Sie die Bühne pleitegehen lassen?

Ja, dann wird sich jemand finden, der es erfolgreichen führen kann. In den USA ist dies üblich.

Sind Sie wirklich überzeugt, dass es unmöglich ist, dass sich ein staatliches System, etwa bei Gesundheit, Bildung oder Pensionen, in der Praxis einem privatwirtschaftlichen als überlegen erweist?

Die Frage muss lauten: Sind wir in Europa noch imstande, diese Bereiche ohne den Staat zu lösen? Die skandinavischen Staaten haben hier intelligente Lösungen gefunden, indem sie in etlichen Bereichen die Wahlmöglichkeiten des Einzelnen erhöht und den Staatseinfluss reduziert haben.

Höre ich richtig: Die Hayek-Anhängerin Barbara Kolm plädiert für ein skandinavisches Modell?

Es wäre zumindest ein erster Schritt in eine bessere Richtung. Trotz ihrer hohen Steuerbelastung haben die Skandinavier auf den Leistungen des Staates ein Preispickerl, das für Transparenz sorgt. Das ist ein Grad an Freiheit, der bei uns noch nicht erreicht ist. Es geht bei allen Problemen immer um pragmatische Lösungen, die den größtmöglichen Nutzen mit der größtmöglichen Freiheit der Bürger bei geringstmöglichen Steuern kombiniert.