Wird in einem Wohnbau ohne Mietzinserhöhung saniert, muss künftig nur die Mieter-Mehrheit zustimmen. - © Fotolia/Digitalpress
Wird in einem Wohnbau ohne Mietzinserhöhung saniert, muss künftig nur die Mieter-Mehrheit zustimmen. - © Fotolia/Digitalpress

Wien. "Ein Euro löst das 6,4-Fache an Investitionsvolumen aus", sagte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner am Dienstag und sprach damit einen der Gründe für die heurige Fortführung der Förderoffensive für die thermische Sanierung an. Es sei eine Win-win-Situation, sagte er, und zwar für Wirtschaft und Umwelt.

Dennoch ist das Förderbudget geringer als im Vorjahr. Es ist mit 100 Millionen Euro dotiert, davon 70 Millionen für Private und 30 Millionen für Betriebe. Mitterlehner rechnet damit, dass die Fördermittel komplett abgerufen werden, wie es auch schon im Vorjahr der Fall war, als das Budget bei 123 Millionen Euro lag. Dieses war bereits im September ausgeschöpft und wurde um 9,3 Millionen Euro aufgestockt. Zudem floss ein Konjunkturbonus von bis zu 9300 Euro, wenn man sein Sanierungsprojekt bis September 2013 eingereicht hatte. Letzteren soll es heuer ebenfalls nicht geben.

Jeder investierte Euro schaffe nicht nur durch zusätzliche Aufträge ein höheres Wirtschaftswachstum und mehr Arbeitsplätze, sondern helfe auch beim Energiesparen und reduziere den CO2-Ausstoß, ergänzte Umweltminister Andrä Rupprechter. Im Vorjahr etwa seien rund 23.500 Haushalte und 489 Betriebe thermisch saniert worden. Der Win-win-Aspekt daran: Die Förderaktion hat Investitionen von 850 Millionen Euro ausgelöst, 12.715 Arbeitsplätze geschaffen respektive gesichert und 3,6 Millionen Tonnen CO2 eingespart.

Weit unter der Sanierungsquote


Von der anvisierten und nun auch im Regierungsprogramm verankerten Sanierungsquote, dass bis 2020 pro Jahr drei Prozent der Gebäude und Wohnungen saniert werden sollen, ist man allerdings weit entfernt. Im Vorjahr lag sie bei 1,4 Prozent. Laut Mitterlehner steigt die Quote jährlich um 0,1 Prozentpunkte - womit Österreich das 2020-Ziel klar verfehlen würde. Die Antwort Mitterlehners ist eindeutig: Für einen stärkeren Anstieg "würden wir mehr Mittel brauchen", die öffentliche Hand müsste also deutlich mehr Geld in die Hand nehmen. Gleichzeitig müsse man jedoch aufpassen, dass sich das Baugewerbe nicht zu sehr an die Förderungen gewöhnt. "Sonst passiert das Gleiche wie bei der Photovoltaik: Dass die Firmen vorschreiben, was wir fördern müssen."

Die Bundesinnung Bau hat den Sanierungsscheck jedenfalls prompt begrüßt. Dieser sei eine Förderaktion "mit enormen Hebelwirkungen, durch die der Staat ein Vielfaches an Einnahmen wieder lukriert", hieß es. Gleichzeitig erinnerte Bundesinnungsmeister Hans-Werner Frömmel an die im Regierungsprogramm ebenfalls vorgesehene Förderschiene für seniorengerechte Adaptierungsmaßnahmen. Auch diese rechneten sich für den Staat: indem sich Pflegekosten durch die öffentliche Hand reduzieren.

Kritik kam indes vom Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie. Die Förderung solle nicht maßgeblich den Fokus auf Fenstertausch und Dämmungen legen. Effiziente und intelligente Gebäudetechnologien wie etwa LED-Systeme für Betriebe spielten eine ebenso große Rolle.

Aktuell werden nur Dämmungen der Außenwände und der obersten Geschoßdecke oder des Daches sowie der Tausch von Fenstern, Außentüren und Heizungen gefördert. Privatpersonen können ihre Anträge ab 3. März bei den Bausparkassen und in den Bankfilialen einreichen. Die Förderung für umfassende Sanierungen beträgt bis zu 30 Prozent der förderfähigen Kosten respektive 5000 Euro.

Mit dem neuen Klima-Bonus "klima:aktiv-Standard" für Maßnahmen, die zu einer dramatisch höheren Reduktion des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen führen, sind maximal 6000 Euro möglich. Zusätzliche Förderungen gibt es etwa für umweltfreundliche Heizanlagen, Nah- und Fernwärmeanschlüsse sowie den Energieausweis.