Ried im Innkreis. Die "direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild" und einen Hypo-Untersuchungsausschuss verlangte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache beim Politischen Aschermittwoch in Ried. Er schwor seine Anhänger auf die EU-Wahl ein und unternahm den üblichen Rundumschlag gegen die Regierung.

2.000 Besucher sind laut Veranstalter in die ausverkaufte Jahn-Turnhalle gekommen. Das Programm, das sie für 14 Euro erwartete, folgte dem bewährten Rezept: Bier, Heringsteller und deftige Reden. Den Beginn machte der Abgeordnete Elmar Podgorschek: Der FP-Aschermittwoch stehe für die Befreiung vom "Gender- und Homowahn", ebenso wie vom "linken Journalismus", meinte er in seiner Begrüßung.

In Lederhose und Trachtensakko

Parteichef Strache, in kurzer Lederhose und Trachtensakko, setzte gleich mit Kritik an Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP), der sich für ein Adoptionsrecht für Homosexuelle ausgesprochen hatte, fort und arbeitete sich dann durch die Regierungsbank.

Strache kritisierte den "Steuererhöhungsrausch" der Koalition, die "angeschnapselt" gewesen sein müsse. Finanzminister Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP), die "Wiedergeburt von Karl Marx", belaste den Mittelstand. Der "Entfesselungskünstler" sei nur dann einen Euro wert, wenn er mit den Einkaufswagerl im Supermarkt unterwegs sei.

"Schachzug" von Haider

In der Hypo-Affäre verlangte er einen U-Ausschuss, um den "schwarzen Vaterschaftsnachweis" für das Debakel zu erbringen. Ex-Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) sei für das "Finanzverbrechen" einer Zwangsverstaatlichung ohne Not verantwortlich. "Dr. Jörg Haider" hingegen habe die Hypo "in einem genialen Schachzug" den Bayern verkauft. Er, Strache, habe ohnehin immer - auch vor der Parteispaltung - gesagt, dass Ausfallshaftungen nicht in Ordnung seien.

Harsche Kritik übte Strache an der Schließung von Polizeidienststellen, die keinen Sicherheitsverlust bringen solle: "Sperren wir die Schulen, damit die Kinder klüger werden." Der FP-Chef erwartet, dass die organisierte Kriminalität bei der nächsten Wahl eine Empfehlung für ÖVP und SPÖ abgibt.

Strache gab sich kurz nach der Nationalratswahl optimistisch, das nächste Mal Regierungschef zu werden, wenn sich die Leute nicht mehr von "politischen Eintagsfliegen" blenden lassen würden: "Was muss der HC Strache machen, damit er Bundeskanzler wird?", fragte er das Publikum. Antwort: "Er muss gesund bleiben."

"EU-Fanatiker"

Er appellierte an alle, zur EU-Wahl zu gehen, denn ein starkes Abschneiden der FPÖ wäre ein "Vorbote einer neuen Zukunft". Die Spitzenkandidaten der Mitbewerber bekamen ihr Fett ab: SPÖ-Kandidat Eugen Freund habe sich als "Querschläger" entpuppt, Otmar Karas sei ein "EU-Fanatiker", der in einer "EU-Fahnen-Unterhose herumläuft".

Zuvor hatte Listenerster Andreas Mölzer die Verhinderung des Türkei-Beitritts als Verdienst seiner Fraktion gelobt. Der extra nach Ried angereiste Präsident des rechten belgischen Vlaams Belang, Gerolf Annemans, beschwor die Freundschaft und die gemeinsamen Ziele mit der FPÖ.