Wien. "Wenn wir die Führung im Land übernehmen wollen, brauchen wir auch die Führung in den Städten." Diese fast 20 Jahre alte Einschätzung des ehemaligen ÖVP-Parteichefs Wolfgang Schüssel klingt heute wie eine böse Vorahnung. Denn nirgendwo ist die ÖVP so weit weg von der "Führung" wie in den Städten. Am Sonntag verlor die ÖVP in Salzburg Stadt über acht Prozentpunkte und landete unter 20 Prozent. Die bürgerliche Konkurrenz Neos kam hingegen aus dem Stand auf 12,5 Prozent. Das "Stadt-Land-Gefälle", wie es Parteichef Michael Spindelegger nennt, wird zur Stimmen-Falle. Der oberösterreichische ÖVP-Landeshauptmann Josef Pühringer fordert in einer ersten Reaktion auf Salzburg von seiner Partei "Schwerpunkte im urbanen Bereich".

Schwenk in die Bundeshauptstadt, die im Herbst 2015 wählt. In Wien kam die Volkspartei 2010 nur noch auf 13,9 Prozent oder 100.000 Stimmen - noch ohne Neos. Die haben in Wien mit Beate Meinl-Reisinger eine charismatische Spitzenkandidatin, während das Image von ÖVP-Wien-Chef Manfred Juraczka durch die aufreibende Schlacht um die Mariahilfer Straße nicht mehr ganz so frisch ist. Droht die Partei gar einstellig oder "im urbanen Bereich marginalisiert" zu werden, wie es der Politologe Peter Filzmaier ausdrückt?

Dieses Horrorszenario im Nacken hat den Wirtschaftsflügel der Partei bereits einen Masterplan bis zur nächsten Wahl geschmiedet. "Das Wiedererstarken der ÖVP läuft über die Wirtschaft", ist Alexander Biach überzeugt. Biach ist der Vize von Juraczka, Vorsteher der ÖVP Margarethen und Direktor des Wiener Wirtschaftsbundes.

Das wäre ein dritter Ansatz nach den verkrampften Versuchen der Vergangenheit, entweder über betont liberale Politik (Homo-Ehe) oder Law-and-Order (Burka-Verbot) politisch Tritt zu fassen. "Wir müssen weg vom Ärmelschoner-Image. Wir sind grau geworden. Die Neos sind ein Produkt unserer eigenen Farblosigkeit." Biach hat bereits unter Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner gearbeitet, als dieser General in der Wirtschaftskammer war. In der Schüssel-Ära leitete der 40-Jährige das Kabinett von ÖVP-Staatssekretär Helmut Kukacka. Erfahren, aber noch jung: Auf solchen Leuten ruht die Hoffnung der ÖVP im städtischen Häuserkampf gegen die Neos. Sie bringen eine Fähigkeit mit, die nach dem chinesischen Strategen Sunzi entscheidend ist für die Schlacht: Kenne Deinen Feind - in Biachs Fall Freund. Denn zahlreiche Neos zählt er zu seinen Bekannten, die er noch aus dem Wirtschaftsbund-Umfeld kennt.