Wien. Nach einem Interview mit der "Wiener Zeitung" distanziert sich das Norminstitut Austrian Standards von den Aussagen Walburg Ernsts, der Chefin des Komitees zur Regelung des Schriftverkehrs. Ernst verteidigte ihren Vorschlag einer Norm, auf das Binnen-I zu verzichten, weil es den Lesefluss hemme. "Die Sprache dient der klaglosen Verständigung und nicht der Durchsetzung zweifelhafter politischer Ziele. Welcher Frau hat das Binnen-I zu einem besseren Job oder zu mehr Bezahlung verholfen?"

Für das Norminstitut, das auf seine Neutralität pocht und den Normvorschlag derzeit zur Begutachtung ausgeschickt hat, dürfte sie sich damit zu weit aus dem Fenster gelehnt haben. So eine dezidierte Meinung zu äußern, sei nicht das, was man in einer ergebnisoffenen Begutachtungsphase erwarte, sagt der Sprecher des Instituts zur "Wiener Zeitung". Das Institut behält sich "weitere Schritte" gegen Ernst vor. "Es kann sein, dass man sich fragen muss, wie sehr sie noch als Vorsitzende unser Vertrauen genießt." Zwar kann das Institut die Zusammensetzung des Komitees nicht ändern, der indirekte Druck der obersten Norm-Instanz könnte aber reichen, damit Ernst zurücktreten muss.

Der Distanzierung vorausgegangen: eine Flut an empörten Mails und Stellungnahmen von Gewerkschaft, Arbeiterkammer, SPÖ und Aktivistinnen aus dem Genderbereich.