Damit hat Ehrenhauser zumindest bei Samuel Seitz Eindruck gemacht: "Eine coole Aktion", sagt auch er. Der 17-jährige Schüler aus St. Pölten war einer der wenigen, die mit dem Politiker die ganze Nacht über da waren. "Warm war’s nicht", sagt er mit etwas gequältem Lächeln. Zu allem Unglück ging am Montagnachmittag auch noch der Boiler ein, sodass es nur noch kaltes Wasser für die Protestcamper gibt. Aber Samuel will trotzdem bleiben. Dank Osterferien kein Problem, aber er hätte notfalls auch die Schule geschwänzt, "um ein Zeichen zu setzen". Schließlich werde immer nur diskutiert "und niemand tut etwas".

Ehrenhauser hatte offensichtlich keine Lust mehr zu diskutieren. Daher griff er zum Aktionismus. An diesem Montagvormittag wirkt er allerdings etwas ratlos. Was er mit der Aktion genau erreichen will, kann er nicht wirklich erklären. "Einen Teil zur Debatte beitragen" ist die eher unbefriedigende Antwort.

Zumindest warum man sich das Kanzleramt als Ort für das kleine Protestcamp ausgesucht hat, erklärt "Europa anders"-Aktivist Ronny Mitterhofer recht schlüssig: Am Dienstag ist Ministerrat - das bringt mediale Aufmerksamkeit und vielleicht auch das eine oder andere Gespräch mit Regierungsmitgliedern.

Gegen ein Gespräch mit Bundeskanzler Werner Faymann hätte Ehrenhauser nichts einzuwenden: "Da könnte er mir dann erklären, warum die Sozialdemokratie für die Austeritätspolitik, für Vorratsdatenspeicherung und TTIP gestimmt hat."

Die Politik will Ehrenhauser aber gar nicht unbedingt erreichen, denn an deren Reformfähigkeit glaubt er nicht mehr. Vielmehr setzt er seine Hoffnung in die Zivilgesellschaft. "Die hat schon vieles erreicht, etwa das Aus für Acta oder Vorratsdatenspeicherung."

Bleiben, trotz Wetter

Ob er die Zivilgesellschaft erreicht, ist offen. In den Sozialen Medien ist das Protestcamp jedenfalls durchaus ein Thema. Der Aktionismus bringt Ehrenhauser somit zumindest Aufmerksamkeit, "und die braucht er ganz, ganz dringend", sagt Politikberater Peter Hajek zur "Wiener Zeitung". Entscheidend für eine gelungene Aktion sei immer, ob man seine Zielgruppe erreiche, so Hajek.

Darauf setzen im aktuellen Wahlkampf auch die Neos, die zu Hausbesuchen luden, oder die Grünen. So geht etwa Werner Kogler (obwohl selbst kein EU-Kandidat) mit einem "Hypo-Krimi" auf Tour. Sogar für SPÖ und ÖVP wäre Polit-Aktionismus denkbar, sagt Hajek, allerdings nicht mit den Spitzenkandidaten und nur als "ein Teil des gesamten Kampagnen-Mosaiks".

Paul hat mittlerweile seinen Protestsong beendet. Er packt seine Gitarre zusammen und verabschiedet sich. Ehrenhauser will bleiben. Wie lange, weiß er nicht. Dass sich ein Wetterumschwung ankündigt - "angeblich sogar Schnee bis auf 400 Meter herunter" -, ist jedenfalls kein Grund, die noch nicht vorhandenen Zelte abzubrechen: "Vom Wetter lass ich mich nicht vertreiben."