Traiskirchen. Die Stadtgemeinde im Bezirk Baden ist bekannt wie kaum eine andere: Nicht nur war hier 113 Jahre lang die Reifenproduktion von Semperit untergebracht, auch finden in der alten Kadettenschule - "Erstaufnahmestelle Ost" - seit mehr als 60 Jahren Asylwerber eine erste Bleibe.

Seit 1985 hatte die Stadtgemeinde ein und denselben Bürgermeister: Fritz Knotzer (SP-), führte Traiskirchen durch die endgültige Schließung des Semperit-Werks 2009 ebenso wie durch die endlosen Diskussionen über den Überbelag der Erstaufnahmestelle. Bereits im Dezember 2013 hatte Knotzer seinen Rückzug aus der Politik 2015 angekündigt, am Mittwoch, wenige Tage vor seinem 70. Geburtstag am 4. Mai, zog er diesen Schritt vor. Wie erwartet übergibt er das Amt an den 41-jährigen Andreas Babler.

Knotzer erfreute sich großer Beliebtheit, was sich auch an Wahlergebnissen zeigte. Nach 69,89 Prozent 2005 hält die SP- seit den Gemeinderatswahlen 2010 noch immer beachtliche 68,89 Prozent. In einer gemeinsamen Pressekonferenz am Mittwoch zollte Babler Knotzer Respekt: "Er ist ein Unikat, und vor allem einer, der sehr verantwortungsvoll mit der Entwicklung der Stadt umgegangen ist." Er wird am Dienstag im Gemeinderat gewählt, die Amtsübergabe soll an Knotzers Geburtstag stattfinden. "Der Stil kann sich ein bisschen ändern, aber die Richtung bleibt", sagte Babler.

Als negative Beispiele der Stadtgeschichte führte Knotzer die Schließung des Semperit-Werks an. "Ich war bei jeder Versammlung bei Semperit dabei und habe gesehen, wie ohnmächtig die Politik gegenüber Konzernen ist. Das war beinhart für mich." Die zweite große Enttäuschung sei im Jahr 2000 gewesen, mit der ersten schwarz-blauen Regierung. Unter Innenminister Ernst Strasser sei das Erstaufnahmezentrum mit 1500 Personen "aufgefüllt" worden. Dies sei nicht abgesprochen gewesen. Erst mit Innenministerin Liese Prokop habe es wieder eine "menschliche Flüchtlingspolitik" gegeben.