Die Verfassungsfrage ist für uns alle gerade nicht vorrangig. Die Aufnahme in die Verfassung würde nicht schaden, aber es bringt nichts, wenn sich sonst nichts ändert. Viel wichtiger sind: die Verbesserung der Qualität, der Ausbau, die Durchdringung des Gesundheits- und Sozialsystems, eine breite öffentliche Diskussion sowie die Kompetenzsteigerung des Fachpersonals.

Manche wollen in gewissen Extremsituationen den assistierten Suizid zulassen - in der Schweiz ist er erlaubt und macht dort 0,7 Prozent aller Todesfälle aus.

Man soll darüber diskutieren. Ich glaube aber, dass bei entsprechend kompetenter Betreuung vom Wunsch nach assistiertem Suizid oft nicht viel übrig bleibt. Und wenn doch, würde ich es nicht "freigeben", sondern der Rechtsprechung überlassen, in Einzelsituationen zu entscheiden.

Wenn man die Entscheidungen der Rechtsprechung überlässt, gibt es ja keine Rechtssicherheit.

Ja, aber ich glaube, dass die Freigabe große Konsequenzen haben kann. Da muss man nur in die Niederlande oder nach Belgien schauen, wo Tötung auf Verlangen jetzt auch für Kinder freigestellt wurde.

Wie kann man einen breiten gesellschaftlichen Diskurs forcieren, um den Tod zu enttabuisieren?

Das ist eine große Herausforderung. Es passiert schon viel, es wird viel berichtet und viel diskutiert. Aber es geht auch darum, dass nicht nur politisch, philosophisch und theologisch darüber geredet wird, sondern dass auch diejenigen, die viele Menschen betreuen und sie sterben sehen, mitreden können. Dass Sterben und Tod uns immer in gewisser Weise Unbehagen bereiten werden, ist aber klar.

Haben Sie sich darüber Gedanken gemacht, wie Sie sterben möchten?

Sicher. Ich möchte gerne alt werden, wenn das möglich ist. Und ich möchte gerne im Kreis meiner Familie sterben und auch so, dass ich die Möglichkeit habe, die Dinge geregelt zu haben und Abschied zu nehmen.

Der kurze schmerzlose Tod ist nichts für Sie?

Nein, sicher nicht. Es kann natürlich sein, aber ich sehne mich nicht danach.

Es heißt auch immer, dass Ärzte am liebsten im Spital sterben wollen. Sehen Sie das auch so?

Nein. Wichtig ist, dass ich nicht unnötig leide. Darum ist es mir auch wichtig, dass das zu Hause genauso möglich sein muss wie im Spital.